Drittes Kapitel. Julians Sieg über die Allemannen.
1. Konstantius überließ es daher dem Cäsar, alles einzurichten, was er zum Nutzen der ihm untergebenen Völker dienlich fände, und wandte sich dann gegen Morgen, um den Krieg gegen die Perser anzuordnen. 2. Da aber Julian sah, daß die Kriegsheere in Gallien größtentheils in schlechter Verfassung waren, die Barbaren ungehindert über den Rhein giengen, ja sogar fast bis an die Meerstädte vordrangen, so musterte er, was ihm von Kriegsmacht übrig war. 3. Er bemerkte, daß die im S. 223 Lande1 bei dem bloßen Namen der Barbaren zittern, und daß diejenigen, die ihm Konstantius mitgegeben hatte, drey hundert und sechzig an der Zahl, nichts, wie er selbst sagt, als beten können. Daher wählte er für die Legionen, so viele er konnte,2 und nahm viele Freiwilligen an. 5. Auch trug er für die Waffen Sorge, richtete die nöthige Sorgfalt auf diejenigen alten, die er in irgend einer Stadt niedergelegt fand, und theilte sie den Streitenden aus. So bald nun die Ausspäher ihm meldeten, daß bey Argentoratum,3 einer am Rheinufer gelegenen Stadt, eine unermeßliche Menge der Barbaren übergesezt hatte, so rückte er, auf die erste Nachricht, mit dem in der Eile zusammengezogenen Heere ihnen entgegen. 6. In der darauf den Feinden gelieferten Schlacht errichtete er sich ein ganz außerordentliches Siegeszeichen, indem sechs Myriaden in der Schlacht umkamen, 7. und eben so viele4 andere, die in den Rhein S. 224 gesprengt wurden, im Flusse zu Grunde giengen, so daß derjenige, der diesen Sieg mit Alexanders Schlacht gegen den Darius vergleichen wollte, jenen nicht kleiner fände, als diese. 8. Auch dürfen wir, was der Cäsar nach dem Siege that, nicht übergehen. Er hatte eine Schaar von sechs hundert, in Kriegssachen wohlgeübten Reitern. Im Vertrauen auf ihre Stärke und Erfahrung gründete er einen großen Theil seiner Hofnungen auf diese. 9. Wie nun die Schlacht angefangen hatte, zeigten alle ihre Bereitwilligkeit nach Kräften, und fielen in die Feinde ein. 10. Schon hatte das Römische Heer bei weitem die Oberhand, als diese allein S. 225 sich in die Flucht wandten, und ihre Reihen verließen. Der Cäsar selbst ritt, mit weniger Begleitung zu ihnen, rief ihnen zu, und ermunterte sie, am Siege Theil zu nehmen. Allein nicht einmal auf dieses hin zeigten sie Lust, der Schlacht anzuwohnen. 11. Mit Recht zürnte also der Cäsar darüber, daß sie, so viel an ihnen war, ihre Mitbürger den Barbaren in die Hände geliefert hatten, und legte ihnen zwar nicht die in den Gesetzen bestimmte Strafe auf, ließ ihnen aber weibliche Kleider anlegen, und sie durchs Lager umher führen, um sie anders wohin zu bringen, weil er eine solche Strafe und Züchtigung für Soldaten, die Männer seyn wollten, für härter hielt, als den Tod selbst. 12. Für ihn und für sie hatte dieses den besten Erfolg. Denn in dem zweiten Kriege gegen die Teutschen [Germanen] dachten sie an die ihnen auferlegte Schande, und zeichneten sich fast allein vor allen andern aus.
Wahrscheinlich die bisher im Lande gelegenen oder eingebornen Soldaten, im Gegensatze der von Konstantius mitgegebenen 360 ― nicht die Einwohner des Landes, wie der Lat. Uebersetzer durch das NB. homines anzudeuten scheint. ↩
Im Texte heißt es: ὅσους μὲν οἷός τε γέγονε τοῖς τάγμασιν ἐγκατέλεξε [osous men hoios te gegone tois tagmasin enkatelexe] . Lieber möchte ich lesen ὅσους μὲν οἵους τ’ ἔγνω [hosous men hoious t’ egnō]: so viele er tüchtig fand. ↩
Straßburg. Man nimmt die Schlacht in der Nachbarschaft des alten Brocomagus, oder des heutigen Brumaths, an. ↩
Die Myriaden des Zosimus sind freilich unwahrscheinlich. Wenn in einer Schlacht 120000 umkamen, so müßte das ganze Heer wenigstens 150000 stark gewesen seyn. Allein wie kann man bei einem Volke, zwischen dem Rhein und Neckar, das wenig Ackerbau trieb, ohne Industrie war etc. eine solche Zahl von Menschen zwischen 25―50. Jahren annehmen? Mit den Chiliaden, die Valesius an die Stelle der Myriaden sezt, mags also um so eher seine Richtigkeit haben, da auch Ammian, (16, 12.) der den Julian nicht herabsezt, nur 6000 angiebt. Denjenigen, welche die Myriaden darum beibehalten wollen, weil Z. den Sieg Julians mit Alexanders Schlachten vergleiche, antwortet der neueste Herausgeber des Originals: die Vergleichung betreffe nur die kleine Macht des Cäsars gegen die Anzahl der Barbaren. Es mögen also die im Treffen gefallenen 6000 Mann um so eher hinreichend seyn, wenn man die im Flusse Umgekommenen dazu nimmt, die Ammian besonders berechnet, und von denen er mit Recht sagt: man könne ihre Anzahl nicht schätzen. ↩
