Zwei und dreißigstes Kapitel. Betrachtungen des Verfassers über die bisherigen Kriege der Römer mit den Persern.
S. 280 1. Nachdem ich bis zu diesem Punkte der Geschichte gekommen bin, gedenke ich in die vorhergehenden Zeiten zurück zu kehren, und zu untersuchen, ob die Römer sich jemals erlaubten, etwas von ihren Besitzungen Andern zu überlassen, oder überhaupt, ob sie es ertragen konnten, daß ein Anderer etwas besitze, was einmal unter ihre Herrschaft gehört hatte? — 2. Als Lucius Lucullus den Tigranes und Mithridates überwunden hatte, unterwarf er zuerst das Innerste Armeniens, und noch dazu Nisibis, und die benachbarten Kastelle, der Herrschaft der Römer. Pompejus der Große sezte dessen rühmlichen Unternehmungen die Krone auf, und sicherte durch den unter ihm geschlossenen Frieden die Besitzungen Roms. Da die Perser sich wieder in Bewegung sezten, wählte der Senat den Crassus zum uneingeschränkten Befehlshaber. Wie er aber mit dem Feinde zusammentraf, hinterließ er einen den Römern schimpflichen Namen, wurde in der Schlacht gefangen, und starb in der Gewalt der Perser. 4. Darauf unternahm Antonius einen Feldzuge allein, von der Liebe zur Kleopatra S. 281 gefesselt, zeigte er sich im Kriege unachtsam und nachlässig. So that auch dieser einiges, was des Römischen Namens unwürdig war, und entfernte sich dann. 5. Doch verloren die Römer bei all’ diesem Verluste keinen Ort jener Gegenden. 6. Als hierauf ihre Staatsverfassung in eine Monarchie übergieng, und Augustus den Tigris und Euphrates zur Gränze des Römischen Reichs bestimmte, so behielten sie dieses Land auch damals. 7. Lange Zeit hernach bekriegte der Kaiser Gordianus die Perser, und fiel mitten im Kriege. Selbst nach diesem Siege maßten sich die Perser nichts von dem Lande an, das den Römern unterthan war, obgleich Philippus die Regierung erhielt, und den schimpflichsten Frieden mit dem Feinde machte. 8. Als bald hernach die Kriegsflamme der Perser das Morgenland ergriff, das große Antiochia mit Sturm erobert wurde, und das Persische Heer bis zu den Kilikischen Pässen vordrang, so unternahm der Kaiser Valerian einen Feldzug gegen sie, und gerieth zwar in ihre Gewalt ― und doch erlaubte er’s den Persern nicht, zu wagen, daß sie diese Länder sich zueigneten. 9. Nur der Tod des Kaisers Julian war von solchen Folgen, daß er ihren Verlust nach sich zog, daß bis diesen Tag die Römischen Kaiser keins derselben erobern konnten, sondern sogar noch mehrere Provinzen verloren giengen, die theils unabhängig, theils den Barbaren überlassen, theils von Einwohnern sehr entblößt wurden.
S. 282 10. Dieses wird beim Fortschritte meines Werks durch die That selbst gezeigt werden.
