Zwei und zwanzigstes Kapitel. Die Festung wird erobert, geplündert und zerstört.
1. Nachdem er diese Verrichtungen unter seine Feldherren vertheilt hatte, rückte er mit einem seiner Sturmböcke gegen das eine Thor, und erschütterte es nicht nur, sondern zertrümmerte es sogar. 2. Als er aber bemerkte, daß diejenigen, die über das Miniren gesezt waren, das Werk läßig betrieben, so sezte er sie ab, strafte sie wegen ihrer Nachlässigkeit durch diesen Schimpf, und ließ andere an ihre Stelle treten. 3. Nun brachte er einen andern Sturmbock vor ein anderes Thor. Schon konnte auch dieses den Angriff nicht mehr aufhalten, als Botschaft kam, diejenigen, die verordnet waren, vom Graben aus bis in die Stadt hinein zu graben, seyen ans Ende ihrer Arbeit gekommen, und bereits im Stande, heraus zu brechen. 4. Es waren die drei Rotten der Mattiarier, Lakkinarier,1 S. 264 und Victoren. Julian befahl ihnen, den Angriff noch aufzuschieben: desto schneller aber ließ er eine Maschine gegen ein anderes Thor in Bereitschaft setzen, und zog das ganze Heer dahin, um den Feind auf den Wahn zu bringen, er werde den folgenden Tag hier angreifen, um sich des Kastells zu bemächtigen. 6. Dieses that er, um die Aufmerksamkeit der Perser von dem Angriffe durch die Mine abzulenken. 7. Da nun alle in der Festung sich nach jener Seite wandten, um sich der Maschine zu erwehren, durchgruben die dorthin Verordneten den Boden, brachen die Erde bis ans Tageslicht durch, und kamen mitten in einem Hause zum Vorschein, wo eine mahlende Frau, tief in der Nacht, Mehl aus Korn bereitete. 8. Der erste, der herauf stieg, hieb die Frau, die schreien wollte, geschwinde nieder. Dieses war Superantius,2 ein in der Rotte der Victoren angesehener Mann; auf ihn folgte Magnus, auf diesen Jovianus, Vorsteher des Standes der Notarien, darauf noch mehrere. Bald war die ganze Mündung erweitert, und Alle stunden in der Mitte der Stadt. 9. Izt eilten sie vollends zur Mauer, und überfielen, wider alles Vermuthen, die Perser, die vaterländische Lieder sangen, die Tapferkeit ihres Königs prießen, und, über den vergeblichen Angriff des Kaisers, der Römer spotteten. Denn, leichter, sagten sie, werde er Jupiters Burg einnehmen, als diese Festung, 10. Nun hieben die Römer bey ihrem Ueberfalle nieder, was S. 265 ihnen vorkam, stürzten andere von der Mauer zu Tode, verfolgten und erlegten den Feind durch mancherlei Todesarten, und schonten weder Weiber noch Kinder, außer diejenigen, die sie zu Gefangenen zu machen beschlossen. 11. Anabdates, der Befehlshaber der Festung, wurde, da er durch sie hineilte, gefangen genommen, und nebst seinem Gefolge, achtzig an der Zahl, mit Händen gefesselt vor den Kaiser geführt. 12. Als nun das Kastell mit Gewalt erobert, alle Einwohner darinnen, was erwachsen war, niedergemacht, und nur wenige so glücklich waren, sich zu retten, so schritt das Heer zur Plünderung der daselbst verwahrten Güter. 13. Sobald jeder davongetragen hatte, was ihm in die Hände fiel, so wurde die Mauer durch herbeigebrachte viele Maschinen bis auf den Boden niedergeworfen, und die Häuser durchs Feuer und die Hände der Soldaten so zerstört, daß es das Ansehen hatte, als sey hier nie ein Ort gewesen.
