Sechs und dreißigstes Kapitel. Wahl des Valentinianus.
S. 287 1. Als nun berathschlagt wurde, wen man dem Reiche vorsetzen sollte, und mancher in dem Heere und von den Anführern desselben bald von diesem, bald von jenem sprach, so vereinigten sich endlich alle Stimmen auf den einzigen Salustius,1 den Präfekt. 2. Er schüzte sein Alter vor, und sagte: dieses erlaube ihm nicht, den bedrängten Staatsgeschäften gewachsen zu seyn; sie verlangten hierauf seinen Sohn zum Oberhaupte. 3. Er erwiederte, sein Sohn sey zu jung, und nicht fähig, die Last eines solchen Reichs zu tragen. Daher kam die Wahl des treflichsten Mannes jenes Zeitalters nicht zu Stande. 4. Nun fielen die Stimmen auf den Valentinianus, der von Cibalis her, einer Stadt Pannoniens, auf dem Wege war,2 einen S. 288 Mann, der zwar vielen Kriegen beigewohnt hatte, aber keine Bildung hatte. Doch schickten sie nach ihm, da er noch abwesend war. 5. So vergiengen wenige Tage,3 daß der Staat sich ohne Haupt befand. 6. Als nun Valentinianus das Heer bei Nikäa, einer Stadt in Bithynien, antraf, übernahm er daselbst die Regierung, und sezte den Zug fort.
Ende des ersten Bandes.
Der Herausgeber des Autors beschuldigt zwar den Z. eines Fehlers, daß er die Kaiserwürde dem Sallustius nach dem Tode Jovians antragen läßt, da es schon nach Julians Tode geschehen sey. Doch nimmt Gibbon an, sie sey ihm auch diesesmal wieder angetragen worden, und so würde Z. gerechtfertig. ↩
Der Lat. Uebersetzer giebt das ὥρμητο [hōrmēto] des Texts durch oriundus erat Cibali. Diese Bedeutung dieses Worts kömmt am nächsten mit dem Ausdrucke Xenophons überein, wenn er von Herkules (Απομ. ΙΙ. Ι, 21.) sagt: ὡρμᾶτο εἰς ἥβην [hōrmato eis hēbēn] er gieng in die Jünglingsjahre über. Im Teutschen kömmt der Ausdruck am nächsten: der von C. ausgieng, d. i. da seinen Ursprung nahm. Doch ist diese Bedeutung des Worts ungewöhnlich. ↩
Zehen. ↩
