Kapitel I. Anthemius, der Prätorianerpräfekt, verwaltet die Regierung des Ostens im Auftrag des jungen Theodosius.
Nach dem Tod von Arcadius am ersten Mai, während des Konsulats von Bassus und Philippus, regierte sein Bruder Honorius noch immer die westlichen Teile des Reiches; die Verwaltung des Ostens aber ging an seinen Sohn Theodosius den Jüngeren über, der damals erst acht Jahre alt war. Die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten wurde daher dem Prätorianerpräfekten Anthemius anvertraut, dem Enkel jenes Philippus, der unter Constantius Paulus vom Stuhl Konstantinopels vertrieben und Macedonius an seiner Stelle eingesetzt hatte. Auf seine Anweisung hin wurde Konstantinopel mit hohen Mauern umgeben. Er wurde geschätzt und war in der Tat der klügste Mann seiner Zeit, und er tat selten etwas unbedacht, sondern beriet sich in allen praktischen Angelegenheiten mit den klügsten seiner Freunde und besonders mit Troïlus, dem Sophisten, der zwar an philosophischen Fähigkeiten überragte, aber an politischer Weisheit Anthemius selbst gleichkam. Deshalb wurden fast alle Dinge im Einvernehmen mit Troïlus getan.
