1. Wie der König nach Orléans kam
S. 253 Im vierundzwanzigsten Jahre seiner Herrschaft zog König Gunthramn von Chalon aus und kam nach der Stadt Nevers. Er war nämlich damals auf der Reise nach Paris, wohin man ihn geladen hatte, daß er Chilperichs Sohn, den man schon damals Chlothar nannte(1), aus dem heiligen Bade der Wiedergeburt höbe. Und als er von Nevers auszog, kam er nach der Stadt Orleans und zeigte sich dort seinen Bürgern in vollem Glanze. Auf ihre Einladung ging er auch in ihre Häuser und genoß von dem Mahl, das man ihm an-richtete. Er wurde reichlich von ihnen beschenkt, wie er auch ihnen mit unerschöpflicher Freigebigkeit große Geschenke machte. Als er aber nach der Stadt Orleans kam, war gerade der 4. Julius(2), das Fest des heiligen Martinus(3). Und es zog(4). ihm eine zahllose Menge Volks mit Abzeichen und Fahnen unter Lobgesängen entgegen. Da hörte man hier die Sprache der Syrers da die der Romanen(5) und dort sogar die der Juden(6). Sie sangen bunt durcheinander in verschiedener Weise: „Es lebe der König und sein Reich breite sich unter den Völkern aus zahllose Jahre lang!" Die Juden nahmen auch an diesen Lobliedern teil und riefen: „Alle Völker sollen dich anbeten, dir ihre Knie beugen und dir S. 254 unterworfen sein!" Deshalb sagte der König nachher, als er nach der Messe bei Tische saß: „Wehe über dies Volk der Juden, denn es ist schlecht und treulos und lebt immerdar arglistigen Herzens. Darum sang es mir heute", sprach er, „Loblieder voll Schmeicheleien, alle Völker sollten mich wie ihren Herrn anbeten, damit ich ihre Synagoge, die längst von den Christen zerstört, auf Staatskosten wieder aufbauen lassen soll. Aber der Herr will dies nicht und nimmer werd' ich es tun." O über den herrlichen und hochweisen König! So klar durchschaute er die Arglist der Irrgläubigen, daß sie chm nichts nachher abzugewinnen vermochten, als sie mit ihren Bitten an den Tag kamen. Ferner sagte der König beim Mahle zu den Bischöfen, die zugegen waren: „Ich bitte euch, daß ich morgenden Tages in meinem Hause euren Segen empfange, und daß euer Eintritt mir Heil bringe, damit mir nichts Übles fortan geschehe, wenn über mich in meiner Niedrigkeit die Worte eures Segens geflossen sind " Wie er sprach, dankten wir1 alle und erhoben uns, als das Mahl beendet war.
Gregor war also damals in OrlSanS -ugegen, wie dies auch die folgenden Kapitel zeigen. ↩
