5. Von den Gesichten, die der König und ich hatten
Er ließ dazumal auch gegen Bischof Theodorus(3) viele Beschuldigungen laut werden und drohte, wenn jener zur Synode erschiene, sollte er abermals in die Verbannung geschickt werden. „Denn ich weiß," sagte er, „daß er um dieser Leute willen(4) meinen Bruder Chilperich ermorden ließ, und S. 259 ich müßte wahrlich nicht für einen Mann gelten, wenn ich meines Bruders Tod nicht noch in diesem Jahre rächte." Ich antwortete ihm aber: „Wer anders hat Chilperich zu Fall gebracht, als seine eigene Bosheit und dein Gebet? Denn wider Fug und Recht hat er viele Nachstellungen dir bereitet, welche endlich ihn selbst in Tod und Verderben brachten. Daß ich so spreche, dazu gibt mir ein Traumgesicht das Recht. Denn es träumte mir, daß er, nachdem man ihm das Haupt geschoren, zum Bischof geweiht und alsdann auf dem bloßen Bischofsstuhle, der nur mit schwarzem Tuch beschlagen war(1) , herumgetragen wurde, voran aber zog man mit Ampeln und Wachskerzen." Als ich dies erzählte, sagte der König: „Auch ich sah einen Traum, der mir seinen Tod vorher verkündigte. Er wurde nämlich, mit Ketten gefesselt, von drei Bischöfen zu mir gebracht. Der eine von diesen war Tetricus(2), der zweite Agroecula(3) und der dritte Nicetius von Lyon(4), und die beiden letzteren sprachen also: ,Löse seine Bande, strafe ihn und laß ihn ziehen/ Der Bischof Tetricus aber eiferte wider sie und sprach: ,Das soll nicht geschehen, sondern im Feuer soll er für seine Freveltaten brennen/ Und da sie solche Worte wechselten und noch viel und lange untereinander haderten, sah ich in der Ferne einen Kessel auf dem Feuer stehen, der war ganz glühend, und während ich Tränen vergoß, ergriffen sie den unglücklichen Chilperich und warfen ihn, nachdem sie ihm die Glieder gebrochen hatten, in den Kessel. Und alsbald wurde er in dem siedenden Wasser so zerkocht und aufgelöst, daß auch nicht die geringste Spur von ihm übrig blieb." Als dies der König er S. 260 zählte, staunten wir, und da das Mahl beendet war, erhoben wir uns.
