10. Von Merovechs und Chlodevechs Leichnamen
S. 263 Da der König aber noch immer den Tod des Merovech und Chlodovech betrauerte und nicht wußte, wohin man ihre Leiber nach dem Morde geworfen hätte(1) kam endlich zu ihm ein Mann und sprach: „Wenn mir daraus kein Schade für die Folge erwächst, will ich dir angeben, wo Chlodovechs Leichnam liegt." Der König schwur ihm zu, es solle ihm deshalb kein Leid widerfahren, vielmehr er reich beschenkt werden. Da sagte jener: „Daß ich die Wahrheit rede, wird dir die Sache selbst beweisen, wie sie sich zugetragen hat. Als nämlich Chlodovech ermordet und unter der Dachtraufe eines Bethauses begraben wurde, besorgte die Königin, er möchte dort einst auf-gefunden und dann ehrenvoll bestattet werden. Sie ließ ihn daher in das Bett der Marne werfen. Ich fand ihn aber in einem Hamen, den ich mir für meinen Bedarf zum Fischfang angelegt hatte. Und da ich zuerst nicht wußte, wer es sei, erkannte ich ihn nachher an seinem langen Haupthaar als Chlodovech, nahm ihn auf meine Schultern und brachte ihn an das Ufer, wo ich einen Rasenhügel über ihm aufwarf. Siehe also, seine Gebeine sind gerettet, nun tue damit, wie dir beliebt." Als der König dies in Erfahrung brachte, gab er S. 264 vor, er wolle auf die Jagd ziehen, öffnete das Grab und fand den Leichnam unversehrt und unverletzt, nur ein Teil der Haare, die unten gelegen hatten, war schon abgefallen, sonst waren auch sie und die Lockensträhne selbst noch unversehrt erhalten. Es war klar, daß es der sei, den der König so emsig suchte. Er berief daher den Bischof der Stadt und ließ die Leiche unter Begleitung der Geistlichkeit und des Volks und unter dem Glanze zahlloser Wachskerzen nach der Kirche des heiligen Vincentius(1) zu Grabe tragen. Er selbst betrauerte seine toten Neffen ebenso, wie er seine eigenen Kinder beweinte, als er sie begraben sah. Danach schickte er Pappolus(2), den Bischof der Stadt Chartres, aus, der auch Merovechs Leichnam auffand und neben Chlodovechs Grabe bestatten ließ.
