4. Von der Beweglichkeit der Seele, die dem Flaum oder unreinen Federchen verglichen wird.
Die Beschaffenheit unserer Seele wird nemlich nicht unfassend dem feinsten Flaume oder dem leichtesten Federchen verglichen, das, so lange es nicht von aussen durch irgend eine Feuchtigkeit benetzt und verdorben ist, vermöge der Beweglichkeit seines Wesens bei dem leichtesten Hauche gleichsam naturgemäß zum Hohen und Himmlischen sich erhebt. Wenn es aber schwer geworden ist durch irgend eine Befeuchtung, so wird es nicht nur nicht zum luftigen Fluge S. a546 gemäß seiner natürlichen Beweglichkeit hingerissen, sondern vielmehr zur tiefen Erde durch das Gewicht der Feuchtigkeit herabgedrückt. So wird auch unser Geist, wenn er nicht durch angenommene Laster und weltliche Sorgen beschwert ist und nicht verderbt durch die Feuchtigkeit einer schädlichen Begierde, gleichsam durch die natürliche Gabe seiner Reinheit erhoben, bei dem leichtesten Hauche der geistigen Betrachtung zur Höhe gezogen und mit Zurücklassung des Niedern und Irdischen zum Himmlischen und Unsichtbaren getragen. Deßhalb werden wir ganz eigentlich durch das Gebot des Herrn ermahnt: 1 „Sehet zu, daß euere Herzen nie durch Berauschung, Trunksucht und weltliche Sorgen beschwert werden.“ Wenn wir also wollen, daß unsere Gebete nicht nur den Himmel, sondern auch was über dem Himmel ist, durchdringen, so müssen wir dafür sorgen, daß unser Geist von allen irdischen Lastern gereinigt und von allem Schmutz der Leidenschaften gesäubert zu seiner naturgemäßen Erhabenheit geführt werde, so daß sein Gebet von keiner Sündenlast beschwert zu Gott aufsteige.
Luk. 21, 34. ↩
