9. Von den vier Arten der Gebete.
Nachdem wir nun Dieß über die Beschaffenheit der Gebete auseinandergesetzt haben, freilich nicht so, wie es der Umfang des Gegenstandes verlangt, sondern nur soweit es die enge Schranke der Zeit zuläßt, oder wenigstens so, wie es die geringe Begabung unseres Geistes und die Schwerfälligkeit unseres Herzens zu fassen vermag, — so steht uns nun die größere Schwierigkeit bevor, daß wir nemlich die Arten der Gebete selbst einzeln auseinandersetzen, die der Apostel 1 in vierfacher Beziehung unterscheidet, indem er sagt: „Ich ermahne euch also, daß vor Allem Bitten geschehen, Gebete, Flehen. Danksagungen.“ Man darf durchaus nicht zweifeln, daß der Apostel nicht umsonst das so unterschieden habe. So müssen wir also zuerst untersuchen, was er unter Bitten, unter Gebeten, Flehen, Danksagungen verstanden wissen wolle; dann müssen wir nachforschen, ob diese vier Arten von dem Betenden gleichzeitig aufzunehmen seien, das heißt so, daß alle zugleich in jedem Gebete vereint werden sollen, oder ob man sie abwechselnd und einzeln darbringen solle, so daß man nemlich jetzt Bitten, jetzt Gebete, dann Flehen oder Danksagungen aussprechen müßte, oder ob der Eine Bitten, der Andere Danksagungen Gott darbringen solle, je nach dem Maße der Reife, zu der jeder Geist durch den Eifer seiner Meinung vorschreitet.
I. Tim. 2, 1: δεήσεις, προσευχαί, ἐντεύρεις, εὐχαριστίαι. ↩
