23. Von dem Satze: „Und führe uns nicht in Versuchung!“
Dann folgt: „Und führe uns nicht in Versuchung!“ Da entsteht nun nicht die leichteste Frage. Denn wenn wir bitten, daß für uns keine Versuchung zugelassen werden möge, wie wird sich dann in uns die Tugend der Standhaftigkeit bewähren können, da es heißt: „Jeder Mann, der nicht versucht wurde, ist nicht bewährt“? Und wieder: 1 „Selig der Mann, der die Versuchung aushält!“ Nicht also das bedeutet diese Bitte: „Führe uns nicht in Versuchung,“ daß uns Gott nie solle versucht werden lassen, sondern daß er nicht die Niederlage der in Versuchung Gekommenen zugebe. Denn versucht wurde Job, aber er wurde nicht in die Versuchung hineingezogen; denn er bot Gott keine Thor- S. a565 heit, noch ging er mit gottlosem und lästerndem Munde auf jenen Willen des Versuchers ein, zu welchem er angeleitet wurde. Versucht wurden Abraham, versucht wurde Joseph, aber Keiner von Beiden wurde in der Versuchung gefangen, weil Keiner dem Versucher seine Zustimmung gab. Endlich folgt: „Sondern erlöse uns vom Übel!“ d. h.: Laß nicht zu, daß wir vom Teufel versucht werden über unsere Kraft; sondern gib mit der Versuchung auch den Ausweg, damit wir bestehen können.
Jak. 1, 12. ↩
