29. Ode
[Forts. v. S. 62 ] Der Herr ist meine Hoffnung, ich werde nicht durch ihn zuschanden werden; 2 denn er hat mich nach seiner Herrlichkeit gemacht und hat auch nach seiner Güte mir gegeben, 3 und er erhöhte mich nach seiner Barmherzigkeit und stellte mich hoch nach seiner Majestät. 4 Und er führte mich hinauf aus den Tiefen der Hölle und riß mich aus dem Rachen des Todes. 5 Er warf meine Widersacher zu Boden und rechtfertigte mich in seiner Gnade. 6 Denn ich glaubte an den Gesalbten des Herrn, und es schien mir, daß er der Herr sei; 7 und er zeigte ihm das Zeichen dafür und leitete mich in seinem Lichte und gab mir den Stab seiner Macht, 8 daß1 ich ihm untertan mache die Gedanken der Völker und zu beugen die Kraft der Gewaltigen, 9 und Krieg zu machen durch sein Wort und den Sieg zu erringen durch seine Kraft. 10 Und der Herr warf meinen Feind zu Boden durch sein Wort, und er war wie Spreu, die der Wind wegführt. 11 Und ich gab dem Herrn die Ehre, weil er seinen Knecht groß gemacht hat und den Sohn seiner Magd. Hallelujah.
(Zu Ode 29.)
[Forts. v. S. 62 ] In dieser Ode sind die Verse 6 und 7 a offenbar christlich; denn „das Zeichen“ ist das christliche Kreuzeszeichen (s. 27, 2 und 42, 2; die Stellen, wo das Zeichen sonst noch vorkommt [23, 14; 39, 6], können nicht verglichen werden); aber diese Verse durchbrechen den Zusammenhang in einer unerträglichen Weise, und von dem Gedanken, den sie anschlagen, wird im Folgenden gar kein Gebrauch gemacht. Schaltet man sie aus, so setzt sich die lobpreisende Erzählung, wie Gott den Sänger geführt und erhöht habe, einfach fort: „Er warf meine Widersacher zu Boden und rechtfertigte mich in seiner Gnade; er leitete mich in seinem Lichte und gab mir den Stab seiner Macht“. v. 1―7 b bilden also (außer v. 6. 7 a) eine geschlossene Einheit; aber die vv. 8. 9 erscheinen sehr hoch gegriffen und v. 10 a ist eine Dublette zu v. 5 a. 7. „er zeigte ihm“] Schreibfehler für „mir“? 10. S. Ps. 1, 4―11. Vgl. Sap. Sal. 9, 5.
statt ואשעבד ܘܐܫܥܒܕ „und ich machte untertan“ ist besser דאשעבד ܕܐܫܥܒܕ zu lesen, worauf auch die folg. Infinitive hinweisen. ↩
