10. Ode
[Forts. v. S. 39 ] Der Herr hat meinem Munde die Richtung gegeben durch sein Wort und hat mein Herz geöffnet durch sein Licht und hat in mir wohnen lassen sein unsterbliches Leben 2 und hat mir gegeben, zu reden (von) der Frucht seines Heils, 3 um zu lenken die Seelen1 derjenigen, die zu ihm kommen wollen, und gefangen zu nehmen eine gute Gefangenschaft zur Freiheit. 4 Ich bin stark und mächtig geworden und habe die Welt gefangen genommen, 5 und es ist durch mich geschehen zum Ruhme des Höchsten und Gottes meines Vaters; 6 und die (Heiden-) Völker, die zerstreut waren, wurden zusammengeschart. 7 Und ich war unbefleckt in meiner Liebe, weil sie mich verkündeten auf Höhen, S. 40 und es wurden die Spuren des Lichts auf ihr Herz gelegt, 8 und sie wandelten in meinem Leben und wurden erlöst und wurden mein Volk in alle Ewigkeit. Hallelujah.
(Zu Ode 10.)
[Forts. v. S. 39 ] 1. In dieser schwierigen Ode scheint der Dichter (der Prophet) im Namen des Messias zu sprechen. Das ist keineswegs unerhört; aber sehr schwierig ist die Entscheidung, ob die Ode jüdisch oder christlich ist. Daß der Messias (?) redet, als habe er sein Werk schon vollbracht, spricht mehr für christlichen Ursprung. Bei der Unbestimmtheit scheint mir der jüdische Ursprung doch wahrscheinlicher; ist — wie unter dieser Voraussetzung notwendig — die Ode christlich überarbeitet, so läßt sich der ursprüngliche Text doch nicht mehr sicher herstellen (Näheres später). 3. s. Ps. 68, 19 u. Ephes. 4, 8. — zur Freiheit] s. Ode 42, 26. 4. „ich habe die Welt gefangen genommen“] . . . Anders, aber doch verwandt ist Joh. 16, 33. 5. „zum Ruhme des Höchsten und Gottes meines Vaters“] Mindestens die letzten Worte sind wohl christlich. 6. Vgl. dazu die Verheißungen im 2. Teil des Jesajas. 7. Harris bezieht diesen Vers darauf, „that the reception of Gentiles has not polluted Christ. Such language does not belong to the Hellenic world, nor, we think, to the second century. But it is quite natural in a Judaeo-Christian community in Palestine in the first century“. Allein der Gedanke, daß der Christus trotz der Heidenmission unbefleckt sei, scheint mir eingetragen zu sein; denn daß speziell die Liebe zu den Heiden gemeint sei, ist nicht gesagt. Allerdings bleibt es unklar, weshalb der Verfasser hier auf die Unbeflecktheit der Liebe des Messias kommt, zumal da die Begründung: „weil sie mich verkündeten auf Höhen“ (auf hohen Plätzen), ganz dunkel ist. Vielleicht ist etwas ausgefallen oder der Text ist sonst nicht in Ordnung. — „und es wurden die Spuren des Lichts auf ihr Herz gelegt“] s. Ode 7, 17. Die Spuren des Lichts sind wohl die Strahlen des Lichts.
das unverständliche נפשתי ܢܦܫ̈ܬܝ ist in נפשתא ܢܦܫ̈ܬܐ zu ändern. ↩
