38. Ode
[Forts. v. S. 67 ] Ich bin hinaufgestiegen zum Lichte der Wahrheit wie auf einen Wagen, 2 und die Wahrheit hat mich geleitet und mich gebracht und hat mich vorbeigeführt an Schlünden und Spalten S. 68 und vor Klippen und Wogen mich errettet. 3 Und sie wurde mir ein Hafen1 der Rettung und setzte mich auf die Arme des unsterblichen Lebens, 4 und sie ging mit mir und gab mir Ruhe und ließ mich nicht irregehen, denn sie war die Wahrheit. 5 Und mir drohte keine Gefahr, weil ich mit ihr ging, 6 und ich irrte in nichts, weil ich ihr gehorchte, denn vor ihr floh der Irrtum und begegnete ihr nicht. 7 Die Wahrheit aber ging auf gradem Wege, 8 und alles, was ich nicht wußte, zeigte sie mir, alle Gifte des Irrtums und jene Schläge, welche man für die Todesfurcht hält. 9 Und ich sah den Verderber des Verderbens, während die Braut, die verdorben ist, geschmückt war, und den Bräutigam, der verdirbt und verdorben ist. 10 Und ich fragte die Wahrheit: „Wer sind diese“? und sie sprach zu mir: „Das ist der Verführer zum Irrtum und der Irrtum, 11 und sie gleichen dem Geliebten und seiner Braut, und sie verführen die Welt und verderben sie. 12 Und sie laden viele zum Gelage 13 und geben ihnen den Wein ihrer Trunkenheit zu trinken, und (jene) speien (dann) ihre Weisheit und ihren Verstand aus, und sie machen dieselben von Sinnen, 14 und darnach lassen sie sie; jene aber laufen umher wie Rasende2 und Verderben bringende, indem kein Herz3 in ihnen ist, auch suchen sie ihn nicht“. 15 Ich aber war weise geworden, so daß ich nicht in die Hände des Verführers fiel, und ich freute mich für mich selbst, daß die Wahrheit mit mir ging, 16 und ich war festgegründet und war errettet und war erlöst, 17 und mein Fundament war auf die Hand des Herrn gelegt, weil er mich gepflanzt hatte. 18 Denn er hat die Wurzel gesteckt, und sie getränkt und gefestigt und gesegnet, und ihre Früchte währen in Ewigkeit. 19 Sie drang tief, kam empor und breitete sich aus, sie war voll und wurde größer. 20 Und der Herr allein wurde verherrlicht in seiner Pflanzung S. 69 und in seiner Bearbeitung, in seiner Sorge und in den Segenssprüchen seiner Lippen, 21 in der schönen Pflanzung seiner Rechten und in dem Auffinden seiner Pflanzung und in der Erkenntnis seines Ratschlusses. Hallelujah.
(Zu Ode 38.)
[Forts. v. S. 67 ] Ein Lobpreis der Wahrheit, wie sonst die Weisheit gepriesen wird. Die Ode ist apokalyptisch, vgl. Henoch. 9. „den Verderber des Verderbens“] d. h. den verderbten Verderber. Die Figuren (2 oder 3) sind nicht deutlich. 11. Sie sind das böse Gegenbild der wahren bräutlichen Gemeinschaft zwischen dem Herrn und den Seinen. 13. Vgl. ähnliche Prophetenstellen. 21. „in dem Auffinden“] kann nicht richtig sein, wenn es nicht ein Synonym zu „Erkennen“ ist. Harris schreibt: „We are tempted to believe that the writer had at one time been brought face to face with some special outbreak of erroneus teaching, one of the many Antichrists of the first century. There are some things which suggest Simon Magus and his Helena, who went about to mislead the faithful. It is, however, useless to try and define the situation more closely“. Mir scheint, daß der Text nicht fordert, an eine bestimmte häretische Bewegung zu denken.
