3. Ode
. . . . ziehe ich an, 2 und seine Glieder1 sind bei ihm, und S. 28 an ihnen hänge ich, und er liebt mich; 3 denn nicht verstände ich den Herrn zu lieben, wenn er mich nicht lieben würde. 4 Wer vermag die Liebe zu beurteilen außer dem Geliebten? 5 Ich liebe den Geliebten, und meine Seele liebt ihn, 6 und wo seine Ruhe (ist), da bin ich auch; 7 und ich werde kein Fremdling sein, denn es gibt keinen Neid bei dem Herrn, dem Höchsten und Barmherzigen. 8 Ich bin vereint (mit ihm),2 weil der Liebende den Geliebten gefunden hat. 9 Weil ich ihn, den Sohn liebe, werde ich Sohn sein; 10 denn der, welcher jenem, der unsterblich ist, anhanget, der wird auch unsterblich sein, 11 und wer Wohlgefallen hat am Leben3, wird lebendig sein. 12 Das ist der Geist des Herrn ohne Falsch, der die Menschen lehrt, daß sie seine Wege erkennen. 13 Seid weise, erkennet und seid wachsam. Hallelujah.
(Zu Ode 3.)
[Forts. v. S. 27 ] Die erste Hälfte der Ode fehlt. 2. Ephes. 4, 15 f. — an ihnen] an ihm? Die Pronomina sind in der syrischen Übersetzung öfters vertauscht, s. v. 2a, wo aber die zweite Hand das Richtige bietet. Sollte „an ihnen“ richtig sein, so wäre der Sinn: „ich bin ein Glied wie sie“. 3. I Joh. 4, 19; Joh. 14, 21. 5 ff. Vgl. das Hohelied, das hier in allegorischem Verständnis anklingt (c. 1, 7 etc.). „Der Geliebte“ ist hier u. v. 8 (s. 5, 1) Gott selbst, nicht der Messias. 7. Fremdling] Schwerlich ist an Hiob 19, 27 zu denken. — Dem Höchsten] sehr häufig in den Oden, s. das Register. 8 f. Ich bin vermischt mit ihm] das ist der Höhepunkt der mystischen Aussagen (s. I Kor. 6, 17: ὁ κολλώμενος τῷ κυρίῳ ἓν πνεῦμά ἐστιν); er wird erklärt durch v. 10: die Unsterblichkeit geht von Gott auf den über, der mit ihm vereint ist, und hierin beruht die „Vermischung“ (vgl. II Petr. 1, 4: κοινωνοὶ θείας φύσεως). Schließt aber v. 10 enge an v. 8 an, so ist v. 9 eine Interpolation. Das zeigt aber auch der Inhalt des Verses selbst; denn während die Verse 2—8 unzweifelhaft von der Vereinigung mit Gott selbst sprechen, erscheint hier plötzlich „der Sohn“ als der Gegenstand der Liebe und die Sohnschaft (statt der Unsterblichkeit). Damit ist nicht nur der Zusammenhang gestört, sondern es ist auch ein Gedanke eingeführt, der in den Oden sonst keine Parallele hat. Ist die Interpolation an dieser Stelle erwiesen — und der Beweis ist m. E. stringent — so folgt, daß diese Ode jüdisch ist, aber christlich redigiert. 11. Harris übersetzt auf Grund einer Änderung des Textes: „and he who is accepted in the Living One, will become living“, und versteht unter dem „Living One“ Jesus Christus; allein da die Conjectur überflüssig ist — denn das Wort „Leben“ schließt sich enge an die „Unsterblichkeit“ in v. 10 an —, so ist die Beziehung auf Jesus Christus hinfällig. 12. Das ist der Geist des Herrn] d. h. diese Vereinigung in der Liebe lehrt dieser Geist. — ohne Falsch] d. h. Lüge, s. Hebr. 6, 18: ἀδύνατον ψεύσασθαι τὸν θεόν, Tit. 1, 2: ὁ ἀψευδὴς θεός und ATliche Stellen.
