16. Ode
[Forts. v. S. 45 ] Wie das Werk des Landmanns (das Hantieren mit) dem Pfluge ist, und das Werk des Steuermanns das Ziehen1 des Schiffes, 2 so ist auch mein Werk das Lied des Herrn in seinen Lobgesängen, meine Kunstfertigkeit und meine Arbeit (bestehen) in seinen Lobgesängen, 3 denn seine Liebe hat mein Herz ernährt, und bis zu meinen Lippen sprudelte es hervor seine Früchte. 4 Denn meine Liebe ist der Herr, darum will ich ihm singen, 5 denn ich bin stark durch seine Lobgesänge, und ich habe Glauben an ihn. 6 Ich werde meinen Mund öffnen, und sein Geist wird durch mich reden, 7 (von) der Herrlichkeit des Herrn und seiner Schönheit, (von) dem Werk seiner Hände und der Arbeit seiner Finger, 8 (von) der Größe seiner Barmherzigkeit und der Macht seines Wortes. 9 Denn das Wort des Herrn durchforscht (beides), das, was nicht sichtbar ist und (das), dessen Gedanke S. 46 offen darliegt; 10 denn das Auge sieht seine Werke, und das Ohr hört seinen Gedanken. 11 Er hat die Erde ausgebreitet und dem Wasser Wohnung im Meer angewiesen, 12 er hat den Himmel ausgespannt und die Sterne festgesetzt und die Schöpfung geordnet und aufgerichtet 13 und hat geruht von seinen Werken. 14 Und die Geschöpfe laufen in ihren Bahnen und verrichten ihre Werke 15 und kennen nicht Stillstand noch Müßigsein, und seine Heerscharen gehorchen seinem Wort. 16 Die Schatzkammer des Lichtes ist die Sonne, die Schatzkammer der Finsternis ist die Nacht. 17 Die Sonne aber hat er für den Tag gemacht, dass er hell sei, die Nacht aber führt die Finsternis über die Erde herauf, 18 und der Wechsel des einen mit dem andern predigt2 die Schönheit Gottes. 19 Und es gibt nichts ausser dem Herrn, denn er war, bevor irgend etwas existierte, 20 und die Welten sind durch sein Wort entstanden und durch den Gedanken seines Herzens. Preis und Ehre seinem Namen. Hallelujah.
(Zu Ode 16.)
[Forts. v. S. 45 ] 1 ff. Harris vergleicht stoische Gedanken, besonders Epiktet, und fährt fort: „I am almost tempted to believe that our Odist knew Epictetus, Disc. I, 16 („l must sing to God; that is my proper work“), and had christianised it. It may well have been a popular religious quotation in the latter part of the first century“. Aber eben weil der Gedanke sehr nahe liegt und weit verbreitet war, braucht man nicht an literarische Abhängigkeit zu denken. Kaum wichtiger ist die ebenfalls von Harris beigebrachte Parallele Clemens, Protrept. X, 100: γεώργει, φαμέν, εἰ γεωργὸς εἶ, ἀλλὰ γνῶθι τὸν θεὸν γεωργῶν, καὶ πλεῖθι ὁ τῆς ναυτιλίας ἐργῶν, ἀλλὰ τὸν οὐράνιον κυβερνήτην παρακαλῶν. 11 ff. Parallelen bei den Propheten und in den Psalmen, s. Ps. 104. 15. Harris bemüht sich, hier zu zeigen, daß der Sänger die Sabbatsruhe nicht mehr gelten lasse, ja antijüdische Polemik treibe, also ein Christ sei! Er vergleicht Justin, Dial. 22, wo es allerdings in antijüdischer Polemik heißt, daß τὰ στοιχεῖα οὐκ ἀργεῖ οὐδὲ σαββατίζει. Allein eben „οὐ σαββατίζει“ fehlt an unsrer Stelle; daher ist auch an antijüdische Polemik nicht zu denken. Die Ode ist, wie die anderen, jüdisch. 20. „Die Welten“] s. Ode 7, 13. Zur ganzen Schilderung s. I. Clem. 20.
