45. Des hl. Paulus Erklärung der „Besiegelung” als „Gestalt Gottes”.
Der Verkünder des Evangeliums macht uns aber den Sinn dieser Eigentümlichkeit klar, da durch ihn der Geist Christi spricht, und zwar mit seinem Wort: „Als er in der Gestalt Gottes war, hat er nicht geglaubt, es (selbstsüchtig) festhalten zu sollen, Gott gleich zu sein, sondern er hat sich erniedrigt und die Gestalt eines Knechtes angenommen.”1 Denn der von Gott Besiegelte konnte nichts anderes als Gottes Gestalt sein; und was in Gottes Form besiegelt ist, das hat notwendig gleichzeitig in sich abgebildet, was Gott zu eigen ist. Deswegen hat der Apostel von demjenigen, den Gott besiegelt hat, gelehrt, daß er in der Gestalt Gottes dauerndes Dasein als Gott habe. Denn um sein Geheimnis des angenommenen und hinzugeborenen Leibes auszusprechen, sagt er: „Er hat S. 53 nicht geglaubt, es (selbstsüchtig) festhalten zu sollen, Gott gleich zu sein, sondern er hat sich erniedrigt und die Gestalt eines Knechtes angenommen.” Denn was er in der Gestalt Gottes war, das blieb er auch als Gott, weil Gott ihn so durch das Siegel beglaubigt hatte. Da er aber die Gestalt des Knechtes annehmen und bis zum Tode gehorsam sein sollte, hat er es nicht (selbstsüchtig) festgehalten, Gott gleich zu sein, sondern sich zur Annahme der Knechtesgestalt durch seinen Gehorsam erniedrigt. Er hat sich aber aus der Gestalt Gottes erniedrigt, d. h. aus seiner Gottgleichheit; seine Gottgleichheit hat er aber dennoch nicht geglaubt (selbstsüchtig) festhalten zu sollen, obwohl er in der Gestalt Gottes war und als Gottgleicher durch seine Besiegelung von Seiten Gottes als Gott sein Dasein hatte.
Phil. 2, 6 f. ↩
