48. Christus ist als Abbild Gottes nicht anderen als göttlichen Wesens.
S. 55 Durch viele Verkündigungen wird der eine Glaube in seiner Einheit nicht gefährdet. Der Evangelist hatte nämlich das Wort des Herrn gelehrt: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.”1 Hat aber der Völkerlehrer2 Paulus das machtvolle Herrenwort nicht gekannt oder verschwiegen, wenn er sagt: „der das Bild des unsichtbaren Gottes ist”?3
Ich frage, ob es für den unsichtbaren Gott ein sichtbares Bild gibt, und ob der unendliche Gott durch das Bild einer bestimmt umschriebenen Gestalt in seiner Ganzheit zu sichtbarem Ausdruck gebracht werden kann. Denn ein Bild muß doch die Gestalt dessen wiedergeben, dessen Abbild es ist. Die im Sohn aber ein andersartiges Wesen wahrhaben wollen, die mögen es doch begründen, was für ein Bild des unsichtbaren Gottes sie den Sohn wollen sein lassen. Etwa ein körperliches und anschauliches, das von Ort zu Ort in Bewegung und Fortgang umherirrt? Sie mögen sich aber dessen bewußt bleiben, daß nach der Lehre der Evangelien und der Propheten Christus ein Geist und auch Gott ein Geist ist. Wenn sie diesen geistigen Christus mit einer gestaltbaren und körperhaften Weise umschreiben wollen, dann wird er nicht in seiner Körperlichkeit ein Abbild des unsichtbaren Gottes noch auch eine Darstellung des Unbestimmbaren als festumrissene Begrenzung sein.
