Kapitel III. Während Konstantin die Christen begünstigt, verfolgt Licinius, sein Kollege, sie.
Nachdem Konstantin, der Kaiser, das Christentum angenommen hatte, verhielt er sich wie ein bekennender Christ, baute die Kirchen wieder auf und bereicherte sie mit prächtigen Opfergaben; er schloss oder zerstörte auch die heidnischen Tempel und setzte die Bilder, die sich in ihnen befanden, der Verachtung des Volkes aus. Aber sein Kollege Licinius, der an seinen heidnischen Lehren festhielt, hasste die Christen; und obwohl er aus Furcht vor Kaiser Konstantin eine offene Verfolgung vermied, gelang es ihm doch, heimlich gegen sie zu intrigieren, und schließlich ging er dazu über, sie unverhohlen zu verfolgen. Diese Verfolgung war jedoch örtlich begrenzt und erstreckte sich nur auf die Bezirke, in denen sich Licinius selbst aufhielt. Da aber diese und andere öffentliche Übergriffe Konstantin nicht lange verborgen blieben und er erfuhr, dass dieser über sein Verhalten entrüstet war, griff Licinius zu einer Entschuldigung. Nachdem er ihn auf diese Weise besänftigt hatte, schloss er einen vorgetäuschten Freundschaftsbund und verpflichtete sich mit vielen Eiden, nie wieder tyrannisch zu handeln. Doch kaum hatte er das Gelöbnis abgelegt, beging er einen Meineid; denn er änderte weder seine tyrannische Stimmung noch hörte er auf, die Christen zu verfolgen. Ja, er verbot den Bischöfen sogar per Gesetz, die nicht bekehrten Heiden zu besuchen, um sie nicht zum christlichen Glauben zu bekehren. Die Verfolgung war also gleichzeitig bekannt und geheim. Sie wurde zwar dem Namen nach zugegeben, aber in Wirklichkeit war sie offenkundig; denn diejenigen, die seiner Verfolgung ausgesetzt waren, litten sowohl an ihrer Person als auch an ihrem Eigentum am schwersten.
