Kapitel VII. Kaiser Konstantin, der über die Unruhen in den Kirchen betrübt ist, schickt den Spanier Hosius nach Alexandria, um den Bischof und Arius zur Versöhnung und Einheit zu ermahnen.
Als der Kaiser von diesen Unruhen erfuhr, war er sehr betrübt und betrachtete die Angelegenheit als persönliches Unglück. Er bemühte sich sofort, den entfachten Brand zu löschen, und sandte einen Brief an Alexander und Arius durch eine vertrauenswürdige Person namens Hosius, der Bischof von Cordoba in Spanien war. Der Kaiser liebte diesen Mann sehr und schätzte ihn in höchstem Maße. Es wird nicht unangebracht sein, hier einen Teil dieses Briefes wiederzugeben, der im Leben Konstantins von Eusebius vollständig wiedergegeben wird.
Victor Constantine Maximum Augustus zu Alexander und Arius.
Wie ich höre, hat eure gegenwärtige Kontroverse so ihren Ursprung. Als du, Alexander, dich bei deinen Presbytern erkundigt hast, was jeder von ihnen über eine bestimmte unerklärliche Stelle des geschriebenen Wortes dachte, und zwar über einen Gegenstand, der nicht zur Diskussion geeignet war, hast du, Arius, vorschnell eine Ansicht über die Sache geäußert, die entweder nie hätte erdacht werden dürfen, oder, als sie dir in den Sinn kam, es dir zustand, sie in Schweigen zu hüllen. Da nun dieser Streit unter euch entbrannt ist, wurde die Gemeinschaft verweigert, und das heiligste Volk wurde in zwei Fraktionen gespalten und hat sich von der Harmonie des gemeinsamen Leibes entfernt. Darum soll jeder von euch mit Rücksicht auf den anderen auf die unparteiische Ermahnung seines Mitdieners hören. Und welchen Ratschlag gibt er? Es war weder klug, anfangs eine solche Frage zu erregen, noch auf eine solche Frage zu antworten, wenn sie gestellt wurde: denn die Behauptung eines Gesetzes verlangt nicht die Untersuchung solcher Themen, sondern das müßige, nutzlose Gerede der Muße verursacht sie. Und selbst wenn sie um der Ausübung unserer natürlichen Fähigkeiten willen existieren sollten, so sollten wir sie doch auf unsere eigenen Überlegungen beschränken und sie nicht unvorsichtigerweise in öffentlichen Versammlungen vortragen oder sie gedankenlos den Ohren aller anvertrauen. Denn wie wenige sind fähig, die Bedeutung von so weitreichenden und tiefgründigen Angelegenheiten angemessen darzulegen oder auch nur richtig zu verstehen!
Und selbst wenn jemand in der Lage wäre, dies zufriedenstellend zu bewerkstelligen, welchen Teil des Volkes würde er überzeugen können? Oder wer kann sich mit den Spitzfindigkeiten solcher Untersuchungen auseinandersetzen, ohne Gefahr zu laufen, in einen Irrtum zu verfallen? Es steht uns daher zu, bei solchen Themen die Geschwätzigkeit zu zügeln, damit wir nicht entweder aufgrund der Schwäche unserer Natur unfähig sind, den vorgeschlagenen Gegenstand zu erklären, oder der dumpfe Verstand der Zuhörer sie unfähig macht, das, was gelehrt werden soll, klar zu begreifen: und im Falle des einen oder anderen Fehlers muss das Volk notwendigerweise entweder in Gotteslästerung oder Spaltung verwickelt werden. Darum möge eine unvorsichtige Frage und eine unbedachte Antwort von jedem von euch die gleiche Verzeihung bei den anderen hervorrufen. Es ist von euch keine Ursache der Meinungsverschiedenheit über irgendeine wichtige Vorschrift des Gesetzes entstanden, noch ist von euch irgendeine neue Irrlehre im Zusammenhang mit der Verehrung Gottes eingeführt worden, sondern ihr haltet beide ein und dasselbe Urteil über diese Punkte, nämlich das Glaubensbekenntnis. Und während ihr so hartnäckig miteinander streitet über geringfügige oder kaum wichtige Dinge, ist es unpassend für euch, so viele Menschen Gottes zu leiten, weil ihr uneins seid; und es ist nicht nur unpassend, sondern wird auch für ganz und gar unrechtmäßig gehalten.
Um euch an eure Pflicht zu erinnern, möchte ich euch ein Beispiel minderer Art geben: Ihr wisst wohl, dass auch die Philosophen selbst unter einer Sekte vereint sind. Und doch unterscheiden sie sich oft voneinander in einigen Teilen ihrer Theorien; aber obwohl sie sich in den höchsten Zweigen der Wissenschaft unterscheiden, um die Einheit ihres Körpers zu bewahren, stimmen sie doch darin überein, zusammenzuwachsen. Wenn dies nun unter ihnen geschieht, wie viel gerechter wird es dann für euch sein, die ihr zu Dienern des höchsten Gottes ernannt worden seid, in einem solchen religiösen Bekenntnis einmütig miteinander zu werden. Aber lasst uns das, was bereits gesagt worden ist, genauer betrachten und genauer darauf achten. Ist es richtig, dass wegen unbedeutender und eitler Streitigkeiten zwischen euch über Worte Brüder gegen Brüder in Opposition gesetzt werden und dass die ehrbare Gemeinschaft durch unheilige Zwietracht gestört wird, indem wir miteinander über so unwichtige und keineswegs wesentliche Dinge streiten? Diese Streitigkeiten sind vulgär und entsprechen eher einer kindischen Gedankenlosigkeit, als dass sie der Intelligenz von Priestern und klugen Männern angemessen wären. Wir sollten uns spontan von den Versuchungen des Teufels abwenden. Der große Gott und Retter von uns allen hat allen das gemeinsame Licht geschenkt. Erlaube mir, seinem Diener, unter seiner Vorsehung, diese meine Bemühung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, damit ich euch, sein Volk, durch meine Ermahnung, meinen Dienst und meine ernsthafte Ermahnung zur Einheit der Gemeinschaft zurückführe. Denn da, wie ich gesagt habe, nur ein Glaube unter euch ist und ein einziges Gefühl in Bezug auf die Religion, und da das Gebot des Gesetzes in allen seinen Teilen alle in einem Ziel der Seele vereint, soll diese Meinungsverschiedenheit, die unter euch Uneinigkeit hervorgerufen hat, keineswegs Zwietracht und Spaltung verursachen, insofern sie die Kraft des Gesetzes als Ganzes nicht beeinträchtigt. Ich sage dies aber nicht, um euch alle zu zwingen, in diesem sehr unbedeutenden Streitpunkt, was immer er auch sein mag, genau gleich zu sehen; denn die Würde der Gemeinschaft kann unangetastet bleiben und die gleiche Gemeinschaft mit allen bewahrt werden, auch wenn es unter euch in unbedeutenden Dingen einige Meinungsverschiedenheiten geben sollte. Denn natürlich wollen wir nicht alle in jeder Hinsicht dasselbe, und es gibt auch nicht eine einheitliche Natur oder einen einheitlichen Maßstab für unser Urteil. Was die göttliche Vorsehung betrifft, so soll es einen Glauben, eine Gesinnung und einen Bund der Gottheit geben; aber die genauen Untersuchungen, die ihr untereinander mit so viel Sorgfalt anstellt, sollen, auch wenn ihr nicht in einem Urteil darüber übereinstimmt, in der Sphäre eures eigenen Nachdenkens bleiben, in den geheimen Nischen eures Verstandes aufbewahrt werden. Lasst also ein unaussprechliches und auserwähltes Band allgemeiner Freundschaft, mit dem Glauben an die Wahrheit, der Ehrfurcht vor Gott und der frommen Befolgung seines Gesetzes, unter euch unerschüttert bleiben. Nehmt die gegenseitige Freundschaft und Gnade wieder auf; gebt dem ganzen Volk die gewohnten vertrauten Umarmungen zurück; und erkennt euch selbst wieder an, weil ihr eure Seelen gereinigt habt. Denn die Freundschaft wird oft süßer, wenn die Feindseligkeit beseitigt ist. So gebt mir ruhige Tage und sorglose Nächte zurück, damit auch mir ein wenig Freude am reinen Licht und eine heitere Gelassenheit für den Rest meines Lebens erhalten bleibe; andernfalls muss ich notwendigerweise seufzen und mit Tränen überströmt werden, und auch die restliche Zeit meines irdischen Daseins wird nicht friedlich verlaufen. Denn während das Volk Gottes (ich spreche von meinen Mitknechten) durch einen so unwürdigen und verletzenden Streit voneinander getrennt wird, wie kann ich da meinen üblichen Gleichmut bewahren? Damit ihr aber eine Vorstellung von meinem übermäßigen Kummer wegen dieses unglücklichen Unterschieds bekommt, hört, was ich euch jetzt sagen werde. Bei meiner kürzlichen Ankunft in der Stadt Nikomedia hatte ich die Absicht, gleich danach in den Osten zu reisen; aber während ich zu Euch eilte und auf meinem Weg schon eine beträchtliche Strecke zurückgelegt hatte, machte mir die Nachricht von dieser Angelegenheit einen Strich durch die Rechnung, damit ich nicht gezwungen sein würde, mit eigenen Augen einen Zustand zu sehen, den ich kaum ertragen könnte. Öffnet mir daher durch eure Versöhnung von nun an den Weg in den Osten, den ihr durch eure Streitigkeiten gegeneinander versperrt habt, und erlaubt mir, euch und das ganze übrige Volk bald gemeinsam frohlocken zu sehen und dem göttlichen Wesen meinen gebührenden Dank auszusprechen für die allgemeine Harmonie und Freiheit aller Parteien, begleitet von der herzlichen Äußerung eures Lobes.
