3. Der Krieg gegen Chilperich
Als sie sich aber noch dort(3) aufhielten, taten sich einige in der Champagne zusammen, griffen die Stadt Soissons an, verjagten die Königin Fredegunde und Chlodovech, Chilperichs Sohn, und wollten sich die Stadt unterwerfen. Als dies König Chilperich erfuhr, führte er sein Heer dorthin und schickte Boten an jene, sie sollten ihm keine Unbill zufügen, daß nicht schweres Verderben über ihre beiden Heere käme. Jene aber achteten nicht darauf, sondern rüsteten sich zum Kampfe. Und als es zur Schlacht kam, gewann Chilperichs Partei den Sieg und schlug die andere Partei in die Flucht, von der sie viele tapfere S. 7 und tüchtige Männer zu Boden streckte. Und als die übrigen verjagt waren, zog Chilperich in Soissons ein. Als dies geschehen war, fing der König an, Argwohn gegen seinen Sohn Merovech wegen der Heirat mit Brunichilde zu hegen. Auch dieser Krieg, sagte er, sei durch die Bosheit seines Sohnes angezettelt. Er entkleidete ihn deshalb seiner Waffen, setzte ihm Aufseher und hielt ihn in freier Haft, indem er mit sich zu Rate ging, was er in der Folge mit ihm vornehmen sollte.
Es war aber Godin, der von der Seite Sigiberts sich früher auf die Chilperichs geschlagen hatte(1) und viele Geschenke von ihm empfangen hatte, der Anstifter jenes Krieges gewesen. In der Schlacht besiegt, wandte er sich zuerst zur Flucht. Seine Höfe, welche ihm der König von dem königlichen Gut(2) in dem Gebiet von Soissons geschenkt hatte, zog er ein und schenkte sie der Kirche des heiligen Medard. Godin selbst starb bald nachher eines plötzlichen Todes. Sein Weib aber nahm Rauching, ein Mann ganz von Eitelkeit erfüllt, von Hochmut aufgeblasen und voll frechen Stolzes, der so mit seinen Untergebenen umging, als ob keine Spur von Menschlichkeit in ihm wäre; über alles Maß menschlicher Bosheit und Unsinnigkeit wütete er gegen die Seinigen und führte abscheuliche Untaten aus. Wenn z. B. ein Diener, wie es beim Gelage zu geschehen pflegt, vor ihm eine brennende Fackel hielt, so ließ er ihm die Beine ent- S. 8 blößen und die Fackel so lange darauf stoßen, bis sie erlosch, und wenn sie dann wieder angezündet war, setzte er es fort, bis die Beine des Fackelträgers ganz verbrannt waren. Wenn dieser aber schreien oder sich von der Stelle rühren wollte, zog er sogleich das Schwert blank, und während jener weinte, jauchzte er auf vor Freude. Es erzählen ferner manche auch dies: er habe unter seinen Leuten damals einen Mann und ein Mädchen gehabt, die, wie dies häufig vorkommt, sich ineinander verliebt hatten. Und als sich ihr Liebesverhältnis schon zwei Jahre oder noch länger hingezogen hatte, verbanden sie sich und flüchteten zusammen in eine Kirche. Da dies Rauching erfuhr, ging er zum Priester des Orts und verlangte, es sollten ihm seine Leute sofort wiedergegeben werden, er habe ihnen ihre Schuld verziehen(1) Darauf sprach der Priester zu ihm: „Du weißt, welche Ehrerbietung man den Kirchen Gottes weihen muß. Du wirst sie also nicht zurückerhalten können, wenn du nicht dein Wort gibst, daß du ihre Verbindung bestehen läßt, und überdies versprichst, sie ohne alle körperliche Strafe zu lassen." Nachdem aber jener lange unschlüssig in seinen Gedanken geschwiegen hatte, wandte er sich zu dem Priester, legte die Hände auf den Altar und schwur: „Niemals sollen sie durch mich getrennt werden, sondern ich will vielmehr alles dazu beitragen, daß ihre Verbindung bestehe, denn obwohl ich es ungern sah, daß sie ohne Bewilligung von meiner Seite dies taten, ist mir doch ganz recht, daß mein Knecht nicht eines ändern Magd und sie nicht eines ändern Knecht genommen hat." Arglos glaubte der Priester dem Versprechen des hinterlistigen Mannes und gab ihm die Leute heraus unter der Bedingung der Straflosigkeit. Nachdem jener sie aber er- S. 9 halten hatte, dankte er und ging nach Hause. Und sogleich ließ er einen Baum schlagen, die Äste abhauen, den Stamm an den Enden durch einen Keil spalten und aushöhlen, darauf drei oder vier Fuß tief die Erde ausgraben und den Kasten in die Grube senken. Darauf ließ er das Mädchen hineinlegen gleich wie eine Tote, und den Knecht oben darauf, schloß dm Deckel, füllte die Grube wieder mit Erde und begrub sie so lebmdig. „Ich habe meinen Schwur", sagte er dabei, „nicht verletzt, daß sie in Ewigkeit nicht getrennt werden sollen." Als dies dem Priester gemeldet wurde, lief er eilig herbei und indem er auf den Menschen einfuhr, brachte er es mit Mühe dahin, daß sie wieder aufgedeckt wurden. Den Knecht freilich zog man noch lebmdig heraus; das Mädchen fand man aber schon erstickt. In solchen Dingen zeigte er sich als einen durch und durch nichtswürdigen Menschen und war zu nichts anderm nütze, als zu frechem Scherz, Hinterlist und allen Schändlichkeiten. Daher fand er auch mit Recht ein solches Ende, wie er es in diesem Lebm sich verdient hatte. Hiervon werden wir in der Folge erzählen(1)
Auch der Referendar Siggo(2), der das Siegel König Sigiberts geführt hatte und von König Chilperich berufen worden war mit der Maßgabe, das Amt zu behalten, das er zu seines Bruders Zeiten bekleidet hatte, verließ Chilperich wieder und ging zu König Childebert, Sigiberts Sohn, über; die Besitzungen, welche er im Gebiete von Soissons gehabt hatte, erhielt Ansoald. Auch viele andere, die von der Herrschaft Sigiberts zu Chilperich übergegangen waren, traten wieder S. 10 zurück. Die Frau des Siggo starb nicht lange danach; er nahm sich aber wieder eine andere zum Weibe.
