39. Vom Ende Chlodevechs
Nach dem Heimgange seiner Söhne hielt sich König Chilperich während des Oktobers mit seiner Gemahlin in dem Forst von Cuise(4) auf, und sein Herz war voll von Trauer. Damals schickte er seinen Sohn Chlodovech auf Betrieb der Königin nach Berny(5), damit nämlich auch er von dieser Seuche dahingerafft werden sollte. Denn die Krankheit, die seine Brüder getötet hatte, wütete damals noch stark an jenem Orte, aber sie befiel ihn nicht. Der König selbst begab sich nach dem Hofe Chelles(6) in dem Gebiet der Stadt Paris.
S. 77 Nach einigen Tagen ließ er aber Chlodovech zu sich bescheiden, und wie dieser hier sein Ende fand, will ich mich nicht verdrießen lassen, zu erzählen. Als er damals auf dem erwähnten Hofe bei seinem Vater wohnte, begann er zur Unzeit sich zu brüsten und zu sprechen: „Siehe, meine Brüder sind gestorben und das ganze Reich bleibt nun mein, ganz Gallien wird mir unterworfen sein, alle Gewalt hat mir das Geschick verheißen: dann werden meine Feinde in meine Hand ge-raten, und ich werde wider sie verfahren, wie mir beliebt." Auch gegen seine Stiefmutter, Königin Fredegunde, ließ er unziemliche Reden laut werden. Da sie dies hörte, geriet sie in gewaltige Angst. — Nach einigen Tagen kam aber jemand zur Königin und sprach: „Daß du jetzt so einsam ohne deine Kinder dasitzest, daran ist allein die Hinterlist des Chlodovech schuld. Denn er ist in die Tochter einer deiner Mägde ver-liebt und von ihrer Mutter hat er durch böse Künste deine Kinder töten lassen. Deshalb sei auf der Hut, denn nichts Besseres hast du für dich selbst von ihm zu erwarten, da dir deine Kinder genommen sind, durch welche du einst zur Macht hättest gelangen können." Da erschrak die Königin und ließ, von Zorn entflammt und durch ihren neulichen Verlust noch aufgeregt, das Mädchen, auf das Chlodovech ein Auge geworfen hatte, ergreifen, schwer geißeln, ihm das Haupthaar abschneiden und es an einem gespaltenen Pfahl vor der Wohnung des Chlodovech aufknüpfen. Auch die Mutter des Mädchens ließ sie binden, auf die Folter bringen, lange peinigen und lockte so das Geständnis von ihr heraus, jene Reden seien wahr. Danach flüsterte sie dies und anderes der Art dem Könige zu und verlangte Rache an Chlodovech.
Als der König darauf sich auf die Jagd begab, befahl er, Chlodovech im geheimen zu ihm zu bringen. Und da er kam, wurde er sogleich auf Befehl des Königs von den Herzogen S. 78 Desiderius(1) und Bobo(2) in Handfesseln gelegt, seine Waffen und seine Kleider ihm abgenommen(3) und in einem schlechten Rocke wurde er gefesselt zur Königin geführt. Und sie befahl, ihn in den Kerker zu werfen, denn sie wollte noch von ihm herauslocken, ob diese Dinge sich so verhielten, wie sie gehört hatte, auf wessen Rat oder Betrieb er dies getan und mit welchen Männern er besonders Freundschaft gehalten habe. Jener stellte jedoch alles andere in Abrede und gab nur zu, daß er freundschaftliche Verbindungen mit vielen Männern unterhalten habe. Nach drei Tagen hieß ihn die Königin gefesselt über die Marne bringen und auf dem Hofe Noisy(4) bewachen. Hier kam er im Kerker durch einen Dolchstoß um und wurde an dem nämlichen Orte begraben(5)
Inzwischen kamen Boten zum Könige und meldeten ihm, Chlodovech habe sich mit eigener Hand getötet; noch stecke der Dolch, versicherten sie, mit dem er sich den Todesstoß ge geben habe, in der Wunde. Der König, durch diese Boten getäuscht, betrauerte nicht einmal seinen Sohn(6), dem er selbst sozusagen auf Betrieb der Königin den Tod gegeben hatte. Die Diener des Chlodovech wurden an verschiedene Orte zerstreut, seine Mutter(7) grausam getötet, seine Schwester(8) von den Dienern der Königin beschimpft und in ein Kloster(9) geschickt, wo sie noch jetzt lebt, nachdem sie das weltliche Kleid abgelegt hat. Alle Schätze, die sie gehabt hatten, kamen an die Königin. Das Weib, welches gegen Chlodovech ausgesagt hatte, wurde S. 79 zum Flammentode verurteilt. Als sie dazu abgeführt wurde, fing die Unglückliche an zu schreien, sie hätte alles erlogen, aber ihre Worte halfen ihr nichts, sie wurde an einen Pfahl gebunden und lebendig verbrannt. Der Schatzmeister des Chlodovech wurde vom Marschall(1) Chuppa in Bourges ergriffen und in Fesseln der Königin übergeben. Er sollte vielfache Foltern ausstehen, aber die Königin hieß ihn von der Strafe und den Banden befreien und erlaubte ihm auf unsere Bitten frei zum König zu ziehen.
