25. Von dem Ende des Dacco und Dracolen
Im dritten Jahre König Childeberts, welches das siebzehnte Chilperichs und Gunthramns war, wurde Dacco, weiland Dagarichs Sohn, der König Chilperich verlassen hatte und ohne festen Aufenthalt umherschweifte, von Herzog Dracolen, der der Eifrige(4) genannt wurde, hinterlistig S. 56 ergriffen, gefesselt und zum König Chilperich nach Berny(1) geführt, nachdem jener ihm zuvor einen Eid geleistet hatte, er wolle ihm das Leben beim Könige auswirken. Wer er vergaß seines Eides und brachte es, indem er chm schändliche Dinge nachsagte, bei dem Fürsten dahin, daß er sterben sollte. Ms Daeco in Banden gehalten wurde und sah, daß er gewiß nicht entkommen werde, verlangte er einem Priester seine Sünden zu bekennen, ohne daß der König es wußte. Und als er die Lossprechung erlangt hatte, wurde er hingerichtet.
Da aber Dracolen eilig in seine Heimat zurückkehrte, suchte indessen Gunthramn Boso seine Töchter von Poitiers zu entführen. Da Dracolen dies hörte, warf er sich ihm in den Weg, aber Gunthramn und seine Leute leisteten, da sie gerüstet waren, Widerstand und suchten sich zu verteidigen. Gunthramn schickte darauf einen von seinen Freunden zu ihm und sprach: „Geh hin und sage ihm: ,Du weißt doch, wie zwischen uns ein Bündnis besteht; deshalb bitte ich dich, stehe davon ab, mich zu bekämpfen. Nimm von meiner Habe, was du willst; daran hindere ich dich nicht. Nur laß mich, wenn ich auch nichts rette als das Leben, mit meinen Töchtern gehen, wohin ich will/" Jener aber, leichtsinnig und aufgeblasen, wie er war, sprach: „Siehe, hier ist ein Strick, mit dem sind schon andere Verräter gebunden unter meiner Führung zum Könige gebracht worden, und mit ihm soll heute auch er gebunden und in Banden dorthin geführt werden." Und als er dies gesagt hatte, gab er seinem Pferde die Sporen und stürmte auf ihn los. Aber der Stoß ging fehl, seine Lanze zersplitterte, und das Schwert sank ihm zur Erde. Gunthramn rief, als er den Tod über seinem Haupte schweben sah, den Namen des Herrn und die große S. 57 Wundermacht des heiligen Martinus an, erhob seinen Speer und traf Dracolen an der Kehle. Er sank vom Pferd, einer von den Freunden Gunthramns durchbohrte ihm mit dem Speer die Seite und bereitete ihm so das Ende. Seine Gefährten wurden in die Flucht geschlagen, sein Leichnam geplündert, und Gunthramn zog mit seinen Töchtern frei von dannen.
Danach wurde auch sein Schwiegervater(1) Severus, von seinen Söhnen beim Könige schwer angeklagt. Ms er dies hörte, begab er sich mit großen Geschenken zum König, aber auf dem Wege wurde er ergriffen, seiner ehrlichen Gewandung entkleidet(2) und in die Verstrickung(3) gebracht, wo er auf die elendeste Weise sein Leben endete. Auch seine beiden Söhne Burgolen und Dodo wurden angeschuldigt, die Majestät des Königs beleidigt zu haben und vom Gerichte zum Tode verurteilt. Der eine wurde vom Heere(4) niedergemacht; der andere, auf der Flucht ergriffen, wurde an Händen und Füßen verstümmelt und kam so um. Ihr ganzes Vermögen, wie auch das ihres Vaters, kam in den Kronschatz. Sie besaßen aber große Reichtümer.
