18. Von dem Bischof Prätextatus und dem Ende Merovechs
Indessen vernahm Chilperich, daß der Bischof Prätextatus von Rouen unter das Volk Geschenke verteile, um es ihm abwendig zu machen, und ließ ihn zu sich bescheiden. Durch eine Untersuchung entdeckte er, daß bei Prätextatus Sachen der Königin Brunichilde niedergelegt seien, er ließ diese darauf fortnehmen, ihn selbst aber ließ er verwahren, bis er ihn vor das Gericht der Bischöfe stellen konnte. Und als die Bischöfe sich versammelt hatten, führte er ihn ihnen vor. Die Versammlung der Bischöfe(3) fand aber zu Paris statt in der Kirche des heiligen Apostels Petrus. Und der König sprach zu Prätextatus: „Was kam dir in den Sinn, Bischof, daß du meinen Feind Merovech, der doch als Sohn S. 36 hätte gegen mich handeln sollen, mit seiner Muhme, mit seines Oheims Gemahl nämlich, trautest(1)? Oder war es dir etwa nicht bekannt, was hierüber die Bestimmungen der Kirche festgesetzt haben? Aber du bist überführt, daß du nicht allein hierin gefehlt hast; denn du hast dich auch mit ihm gegen mein Leben verschworen und Geschenke unter das Volk verteilt. Du hast den Sohn gegen den Vater aufgewiegelt, mit Gold das Volk bestochen, daß niemand mir die Treue halten und bewahren solle,' und wolltest mein Reich in die Gewalt eines ändern bringen." Da er solches sprach, entstand großes Murren unter der Menge der Franken, und sie wollten die Türe der Kirche erbrechen und den Bischof Hinausschleppen, um ihn zu steinigen. Aber der König verhinderte, daß es geschähe. Und als der Bischof Prätextatus alles in Abrede stellte, was der König gesagt hatte, traten falsche Zeugen auf, zeigten Wertgegenstände vor und sagten: „Dies und das hast du uns gegeben, damit wir Merovech Treue geloben sollten." Jener aber antwortete darauf: „Es ist wahr, daß ihr öfters von mir beschenkt worden seid, aber nicht das war meine Absicht dabei, daß der König seine Herrschaft verlieren sollte; sondern da ihr mir die schönsten Pferde und andere Sachen gäbet, konnte ich da anders als auch euch auf ähnliche Weise beschenken?" Der König kehrte darauf in seine Wohnung zurück, wir aber blieben in der Sakristei der Kirche des heiligen Petrus zusammen. Und als wir uns untereinander berieten, kam plötzlich zu uns der Archidiakon der Kirche von Paris, Aetius, grüßte uns und sprach: „Höret mich, ihr Priester des Herrn, die ihr hier versammelt seid. Entweder werdet ihr zu dieser Zeit euren Namen verherrlichen und weithin leuchten in strahlendem Ruhme, oder niemand wird euch fortan für Priester Gottes erachten, wenn ihr unver- S. 37 ständig euch selbst erniedriget und euren Bruder untergehen lasset." Als er solches sprach, wagte keiner der Bischöfe ihm zu antworten. Denn sie fürchteten den Zorn der Königin, aus deren Betrieb dies alles geschah. Da sie aber alle voll Schrecken waren und den Mund nicht öffneten, sprach ich: „Achtet, ich bitte euch, ihr heiligsten Priester Gottes, auf meine Rede, und besonders ihr, die ihr dem Könige näher zu stehen scheint; gebt ihm einen Rat, fromm und wie er Priestern geziemt, damit er nicht im Zorn handle gegen den Dimer Gottes und deshalb unter dem Zorn des Höchsten zugrunde gehe und Reich und Ruhm verliere." Bei diesen Worten schwiegen alle. Da, sie aber schwiegen, fuhr ich fort: „Erinnert euch, ihr Herren Bischöfe, des prophetischen Wortes, wo es heißt: .Wo der Wächter sähe die Sünde eines Menschen und sagte sie nicht an, so will ich sein Blut von des Wächters Hand fordern(1).' Schweiget also nicht, sondern redet und legt dem Könige seine Sünden vor Augen, auf daß nicht ein Übel ihn treffe und ihr schuldig seiet an seiner Seele. Oder wisset ihr nicht, was noch zu diesen Zeiten geschehen ist? Wie Chlodomer den Sigimund ergriff und in den Kerker stieß und Avitus, der Priester Gottes, ihm sagte: Lege nicht Hand an ihn, und wenn du nach Burgund ziehst, wirst du den Sieg gewinnen.' Der aber hörte nicht auf das, was ihm der Priester sagte, sondern ging hin und tötete jenen, sein Weib und seine Kinder. Darauf zog er nach Burgund, da aber wurde er von seinen Feinden besiegt und getötet(2). Und was widerfuhr dem Kaiser Maximus? Als er den heiligen Martinus zwang, Gemeinschaft mit einem Bischof zu haben, der ein Mörder war, und jener dem gottlosen König nachgab, S. 38 utn leichter die dem Tode Geweihten befreien zu können(1) verlor Maximus durch das Gericht des ewigen Königs sein Reich und mußte zur Strafe des schimpflichsten Todes sterben." Da ich dies sprach, antwortete keiner etwas, sondern sie waren alle wie betäubt und voll Schrecken.
Zwei Speichellecker jedoch unter ihnen — daß man es von Bischöfen sagen muß! — meldeten es dem Könige und sagten ihm, er habe keinen größeren Feind in seinen Angelegenheiten, als mich. Sogleich wurde einer der Hofleute eilenden Laufes abgesandt, um mich zu dem König zu bescheiden. Und als ich ankam, stand der König bei einem Zelte, das war aus Zweigen gemacht, und zu seiner Rechten stand der Bischof Berthramn(2), zu seiner Linken Ragnemod(3), und vor ihnen war eine Tafel, die war mit Brot und mit verschiedenen Gerichten besetzt. Als der König mich erblickt hatte, sprach er: „Du solltest allen Gerechtigkeit zuteil werden lassen, Bischof, aber siehe, ich finde sie nicht vor dir, sondern du nimmst dich, wie ich sehe, der Ungerechtigkeit an, und es wird an dir das Sprichwort wahr: eine Krähe hackt der ändern nicht die Augen aus." Darauf sprach ich: „Wenn einer von uns, o König, den Pfad der Gerechtigkeit verlassen sollte, kann er von dir zurecht gewiesen werden; wenn du aber abirrst, wer wird dich zurechtweisen? Wir sprechen freilich zu dir, du jedoch hörst nur darauf, wenn du willst, wenn du aber nicht willst, wer kann S. 39 dich verdammen, als der da gesagt hat, daß er selbst die Gerechtigkeit sei?" Hierauf erwiderte er, wie ihn die Speichellecker gegen mich erbittert hatten: „Bei allen habe ich Gerechtigkeit gefunden, nur bei dir kann ich sie nicht finden. Aber ich weiß schon, was ich tue, daß du den Leuten bekannt werdest und alle wissen, wie ungerecht du bist. Ich werde das Volk von Tours zusammenrufen und zu ihm sprechen: -Erhebet ihr nicht eure Stimme gegen Gregor, daß er ungerecht sei und keinem Menschen Gerechtigkeit angedeihen lasse(1)?' Und wenn sie dies Geschrei laut werden lassen, werde ich ihnen antworten: ,Jch, der König, kann keine Gerechtigkeit bei ihm finden, und ihr solltet sie finden, die ihr nur geringes Volk seid!"' Darauf sagte ich: „Ob ich ungerecht bin, weißt nicht du; der kennt mein Gewissen, dem das Verborgene des Herzens offenbar ist. Daß aber das Volk in seinem Wahne, wenn du mich beschimpfest, gegen mich ein Geschrei erhebt, ist für nichts, denn alle wissen ja doch, daß die Sache von dir ausgegangen ist. Deshalb beschimpft nicht mich, sondern dich solches Geschrei. Aber wozu viele Worte? Du hast das Gesetz und die kirchlichen Satzungen, die sollst du fleißig durchforschen, und beachtest du nicht, was sie vorschreiben, so wird dich, darauf verlasse dich, Gottes Gericht ereilen." Dann wandte er sich, um mich zu gewinnen, — da er es listig anstellte, glaubte er, ich merkte es nicht — zu einem Gerichte, das vor ihm stand, und sprach: „Deinetwegen habe ich diese Gerichte bereiten lassen, sie enthalten nur Geflügel und ein wenig Kichererbsen." Ich aber antwortete ihm, denn ich durchschaute, wie er mich fangen wollte: „Unsere Speise soll sein, den Willen Gottes zu tun und uns nicht locken zu lassen von diesen Lockungen, auf daß S. 40 wir nimmer seiner Gebote vergessen. Du aber, der du andere der Ungerechtigkeit zeihst, versprich erst, das Gesetz und die Satzungen der Kirche nicht zu übertreten, dann werden wir glauben, daß es dir um die Gerechtigkeit zu tun ist." Darauf erhob er die Rechte und schwor bei dem lebendigen Gott, daß er nimmer das Gesetz und die Satzungen der Kirche überschreiten wolle. Alsdann nahm ich vom Brote, trank auch vom Weine und entfernte mich. In derselben Nacht noch höre ich, als die Chorgesänge eben beendigt waren, die Pforte meiner Wohnung von heftigen Schlägen erdröhnen, schicke den Diener heraus und erfahre, Boten von der Königin Fredegunde ständen draußen. Sie wurden eingeführt, brachten mir einen Gruß von der Königin und baten mich, ich möchte ihr doch in ihren Angelegenheiten nicht entgegen sein; zugleich versprachen sie mir zweihundert Pfund Silber, wenn ich gegen Prätextatus auftreten wollte und er so verurteilt würde. Sie sagten: „Schon von allen Bischöfen haben wir das Versprechen, nur sei du uns nicht entgegen!" Ich antwortete ihnen: „Wenn ihr mir auch tausend Pfund Silbers und Goldes gäbet, könnte ich wohl etwas andres tun, als was mir der Herr zu tun geboten hat? Dies Eine nur verspreche ich euch, dem werde auch ich beitreten, was die Übrigen nach den Satzungen der Kirche beschließen." Jene verstanden nicht, was ich sagte, denn sie dankten und entfernten sich. Als es Morgen geworden war, kamen auch einige von den Bischöfen zu mir mit ähnlichem Auftrag; ich gab ihnen dieselbe Antwort. Als wir aber in der Frühe in der Kirche des heiligen Petrus zusammenkamen, war auch der König zugegen und sprach: „Ein Bischof ist beim Diebstahl ertappt worden, und die Gesetze der Kirche bestimmen, daß er von seinem bischöflichen Amt entsetzt werde." Und da wir erwiderten, wer denn jener Bischof wäre, den die Beschuldigung des Diebstahls treffe, S. 41 sagte der König: „Ihr habt die Kostbarkeiten ja gesehn, die er uns diebisch entwendet hat." Er hatte uns nämlich drei Tage zuvor zwei Bündel gezeigt, mit Kostbarkeiten und Schmucksachen aller Art angefüllt, die auf mehr als dreitausend Goldgulden geschätzt wurden, und einen Sack mit Goldmünzen, der dem Gewicht nach etwa zweitausend Gulden enthielt. Dies nun sagte der König, sei ihm vom Bischofs gestohlen worden. Da antwortete dieser: „Ich glaube, Ihr entsinnt Euch, daß ich zu Euch kam, als die Königin Brunichilde von Rouen fortging, und Euch meldete, ich hätte Sachen von ihr, nämlich fünf Bündel, in Verwahrung, und öfters kämen Diener von ihr zu mir und verlangten die Auslieferung, ich aber trüge Bedenken, sie ohne Euren Willen zu verab-folgen. Da sprachst du zu mir, König: „Tue dies von dir, das Weib möge das Ihre zurücknehmen, auf daß nicht deshalb zwischen mir und meinem Neffen Childebert Feindschaft entstehe." Ich kehrte also zur Stadt zurück und gab den Dienern ein Bündel, denn mehr konnten sie nicht tragen. Sie kehrten aber wieder zurück und verlangten die ändern, da fragte ich wieder bei deiner Herrlichkeit an. Du aber befählest mir und sprachest: „Tue dies von dir, Bischof, tue es von dir, daß kein Ärgernis aus dieser Sache entstehe." Und wiederum gab ich ihnen zwei von den Bündeln, zwei aber blieben noch bei mir zurück. Was verleumdest du mich nun jetzt und schuldigst mich des Diebstahls an, da es sich doch hier nicht um Entwendung, sondern um Bewahrung fremden Eigentums handelt." Hierauf sprach der König: „Wenn dir diese Sachen nur zur Bewahrung übergeben sind, warum bandest du denn eins der Bündel auf, zerschnittest einen mit goldenen Fäden durchwebten Besatz und verteiltest ihn unter die Männer, die unch von der Herrschaft vertreiben sollten?" Bischof Prätex- S. 42 tatus antwortete: „Ich habe dir schon früher gesagt, daß ich zuerst Geschenke von ihnen erhalten hatte, und deshalb nahm ich vorläufig, da ich im Augenblicke nichts andres zu geben hatte, von jenen Sachen und machte ihnen davon Gegengeschenke. Denn ich hielt meinem Eigentum gleich, was meinem Sohn(1) Merovech gehörte, den ich aus dem Bad der Taufe gehoben hatte." Da aber König Chilperich sah, daß er ihn mit solchen falschen Anklagen nicht stürzen könne, wurde er sehr betroffen, sein Gewissen brannte ihn und er verließ uns. Und er rief einige von seinen Schmeichlern zu sich und sprach: „Ich bekenne, daß ich durch des Bischofs Worte widerlegt worden bin, und ich weiß, Wahrheit ist es, was er spricht. Doch was soll ich nun tun, daß der Königin Wille an ihm vollstreckt werde?" „Gehet hin," sprach er, „tretet zu ihm und sprecht, gleich als ob der Rat aus Euch selbst käme: ,Du weißt, daß König Chilperich fromm und weichherzig und leicht zum Mitleid zu bewegen ist, demütige dich also vor ihm und sage, du habest wirklich begangen, was er dir vorgeworfen. Dann werden wir uns alle vor ihin zu Füßen werfen und dir Verzeihung erwirken/" Bischof Prätextatus ließ sich verlocken und gab sein Wort, er wolle ihnen folgen.
Am Morgen kamen wir wieder an dem gewohnten Ort zusammen; auch der König erschien und sprach zum Bischof: „Wenn du diesen Leuten nur Geschenke gegen Geschenke gegeben hast, warum verlangtest du von ihnen, daß sie dem Merovech Treue gelobten?" Der Bischof antwortete: „Ich gestehe es, ich wünschte, daß er ihre Freundschaft gewönne, und S. 43 nicht die Menschen allein, auch einen Engel vom Himmel, wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich zu seinem Schutze herbeigerufen. Denn, wie ich schon oft erwähnt habe, er war mein geistlicher Sohn durch die Taufe." Und als dies Hinund Widerreden immer weiter ging, warf sich endlich Prätextatus auf die Erde und rief: „Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, gnädigster König. Ein ruchloser Mörder bin ich, ich wollte dich töten und deinen Sohn auf deinen Thron erheben." Bei diesen Worten warf sich der König den Bischöfen zu Füßen und sprach: „Höret, wie dieser Verbrecher sein abscheuliches Vergehen bekennt, ihr frommen Bischöfe!" Und als wir unter Tränen den König vom Boden erhoben hatten, hieß er den Prätextatus die Kirche verlassen.
Der König selbst ging nach seiner Wohnung und schickte uns die Sammlung der Kirchengesetze, an die aber eine neue Lage angeheftet war, so die angeblich apostolischen Satzungen enthielt(1) Darin stand: „Wenn ein Bischof des Mordes, Ehebruchs oder Meineides überwiesen wird, soll er von seinem bischöflichen Amt entsetzt werden." Als wir dies lasen, stand Prätextatus wie erstarrt. Und Bischof Berthramn sagte: „Höre, Bruder und Mitbischof, du besitzest des Königs Gunst nicht mehr und kannst deshalb auch unser Freund nicht sein, ehe du nicht von ihm Verzeihung erwitkt hast." Darauf verlangte der König, es solle entweder jenem das Gewand zerrissen oder der hundertundachte Psalm mit der Verfluchung S. 44 des Judas Jscharioth über sein Haupt gesprochen oder mindestens ein solches Urteil über ihn verhängt werden, daß er in Ewigkeit aus der Gemeinschaft ausgeschlossen bliebe(1) Ich aber setzte mich allen diesen Vorschlägen entgegen und hielt an dem Versprechen des Königs fest, es solle nichts gegen die Satzungen der Kirche geschehen(2). Da wurde Prätextatus vor unfern Augen ergriffen und in das Gefängnis gebracht. Da er aus demselben bei Nacht zu entkommen suchte, wurde er schwer gegeißelt und auf eine Insel des Meeres(3) nahe der Stadt Coutances verwiesen(4).
Darauf verbreitete sich das Gerücht, Merovech suche sich wiederum nach der Kirche des heiligen Martinus zu flüchten. Chilperich ließ deshalb die Kirche bewachen und alle Zugänge schließen. Die Wächter ließen nur eine Türe, durch welche etliche Geistliche zum Dienst des Altars eingehen durften, offen, alle übrigen hielten sie besetzt, was nicht ohne Beeinträchtigung des Volkes geschah. Als wir aber noch zu Paris verweilten, sah man Zeichen am Himmel, zwanzig Strahlen nämlich im Norden, die sich von Osten erhoben und nach Westen zogen. S. 45 Einer von ihnen war länger und leuchtender als die übrigen, und als er in die Höhe gestiegen war, verschwand er plötzlich, und so auch die übrigen, die nach ihm kamen. Ich glaube, daß dies Zeichen das Ende Merovechs vorher verkündigte.
Merovech wurde aber, da er sich noch immer in der Champagne von Reims verborgen hielt und nicht öffentlich vor den Austrasiern zu zeigen wagte, von denen von Thsrouanne in eine Falle gelockt. Sie ließen ihm sagen, sobald er zu ihnen käme, wollten sie seinen Vater verlassen und sich ihm unterwerfen. Da nahm er die tapfersten Männer mit sich und zog schnell zu ihnen. Da zeigten sie offen die Fallen, welche sie ihm gelegt hatten, umstellten ihn auf einem Hofe, umringten ihn mit Bewaffneten und sandten Boten an seinen Vater. Da der dies hörte, beschloß er, sich sogleich dorthin zu begeben. Jener sah sich indessen in einem kleinen Hause festgehalten und besorgte, seine Feinde möchten sich schwer an ihm rächen und er schreckliche Strafen erleiden. Deshalb rief er seinen vertrauten Diener Gailen(1) zu sich und sprach: „Wir waren bisher immer ein Herz und eine Seele, laß mich also jetzt nicht in die Hände meiner Feinde fallen, sondern nimm ein Schwert und stoße mich nieder." Und Gailen zauderte nicht, sondern durchbohrte ihn sogleich mit dem Schwerte(2). Es wollten aber manche behaupten, die Worte, die Merovech gesprochen haben soll, habe die Königin erfunden und auf ihr Geheiß sei Merovech heimlich ermordet worden. Gailen aber ergriff man, hieb ihm Hände und Füße, schnitt ihm Ohren und Nase ab und tötete ihn unter vielen ändern Qualen auf die grausamste Weise. Grindio flocht man auss Rad und steckte ihn damit auf eine Stange hoch in die S. 46 Luft. Ciucilo, der einst Pfalzgraf(1) König Sigiberts gewesen war, hieb man das Haupt ab, und noch viele andere, die Merovech begleitet hatten, mußten unter verschiedenen Martern eines grausamen Todes sterben. Man erzählte sich damals, der Bischof Egidius(2) und Gunthramn Boso seien die Hauptanstifter bei diesem Anschläge gewesen, denn Gunthramn habe sich durch den Tod Theudeberts im geheimen die Gunst der Königin Fredegunde erworben(3) Egidius sei aber schon seit langer Zeit ihr wert gewesen.
