46. Von dem Ende des Bischofs Dalmatius
S. 91 Zu derselben Zeit verließ auch der Bischof Dalmatius von Rhodez die Welt, ein Mann, der durch alle Tugenden hervorleuchtete, der sich aller Völlerei und aller fleischlichen Lüste enthielt, sehr mildtätig und leutselig gegen alle, anhaltend in Gebet und Wachen. Er unternahm den Bau der Hauptkirche, da er sie aber öfters wieder niederreißen ließ, um sie desto vollkommener aufzuführen, blieb der Bau unvollendet. Es bewarben sich, wie es meist geschieht, bei seinem Tode viele um das Bistum. Besonders aber hatte der Priester Transobad, der einst des Dalmatius Archidiakon gewesen war, sein Auge darauf gerichtet, indem er sich vornehmlich darauf verließ, daß er seinen Sohn am Hofe dem Gogo, der damals des Königs Erzieher war, übergeben hatte(1) Es hatte jedoch der Bischof ein Testament hinterlassen, worin er eine Gabe festsetzte, die der König nach seinem Tode empfangen sollte, indem er ihn zugleich unter fürchterlichen Verwünschungen beschwor, in seiner Kirche keinen Fremden, keinen Habgierigen oder einen in Ehebanden einzusetzen, sondern nur einen Mann, der von dem allen frei wäre und allein im Lobe des Herrn sein . Leben führe. Der Priester Transobad richtete aber in der Stadt den Geistlichen ein Mahl zu, und als sie bei Tische saßen, begann einer von den Priestern den verstorbenen Bischof S. 92 auf das frechste zu lästern und vergaß sich sogar so weit, daß er ihn einen Verrückten und Narren nannte. Bei diesen Worten kam gerade der Schenk zu ihm und bot ihm einen Becher an. Er nahm ihn, als er ihn aber an die Lippen brachte, fing er an zu zittern; der Becher sank ihm aus der Hand, er legte sein Haupt auf den, der ihm zunächst saß, und gab seinen Geist auf. Er wurde Vom Mahle gleich zu Grabe getragen und verscharrt. Daraus verlas man das Testament des Bischofs vor dem König Childebert und seinen Großen, und Theodosius, der damals das Archidiakonat in der Stadt bekleidete, wurde zum Bischof eingesetzt.
