33. Von Wunderzeichen
Im fünften Jahre der Regierung König Childeberts bedrängten große Überschwemmungen die Gegend von Arvern. Zwölf Tage hörte es nicht auf zu regnen, und die Limagne(1) wurde von einer solchen Wassermasse überflutet, daß sie viele an der Aussaat hinderte. Die Loire, der Allier(2) und die ändern Flüsse, welche sich in die Loire er- S. 65 gießen, schwollen so an, daß sie weiter über ihre Ufer traten, als jemals zuvor, großen Schaden unter den Viehherden, bedeutenden Verlust an bestellten Äckern und Verheerungen an den Gebäuden anrichteten. Auf gleiche Weise trat auch die Rhone mit der Saone aus ihren Ufern aus, tat den Anwohnern großen Schaden und unterwühlte zum Teil die Mauern von Lyon. Als aber die Regengüsse nachließen, fingen die Bäume noch im Monat September von neuem zu blühen an.
Im Gebiet von Tours sah man in diesem Jahre in der Frühe, ehe noch das Tageslicht anbrach, einen feurigen Schein, der über den Himmel dahinlief und nach der östlichen Seite hin verschwand. Auch hörte man ein Krachen durch das ganze Land, wie von einem fallenden Baume. Es konnte aber deshalb nicht von einem Baume herrühren, weil es an fünfzig Meilen weit oder mehr gehört wurde. In demselben Jahre wurde die Stadt Bordeaux schwer von einem Erdbeben mitgenommen, und die Mauern der Stadt drohten einzustürzen. Die ganze Einwohnerschaft schwebte in solcher Todesfurcht, daß sie meinten, wenn sie nicht flöhen, würden sie alle mit der Stadt von der Erde vetrschlungen werden. Deshalb wanderten viele nach ändern Städten aus. Das Erdbeben erstreckte sich auch nach den benachbarten Städten und reichte bis nach Spanien, aber nicht in derselben Stärke. Doch lösten sich in den Pyrenäen gewaltige Felsstücke los und erschlugen Menschen und Vieh. Viele Ortschaften in dem Gebiete von Bordeaux verbrannten durch göttliche Schickung. Häuser und Scheunen mit der Ernte wurden plötzlich vom Feuer ergriffen und durch den Brand völlig zerstört. Da das Feuer durchaus keinen Anlaß von anderer Seite hatte, geschah es vielleicht durch himmlische Fügung. Auch die Stadt Orloans wurde von einer großen Feuersbrunst verheert, so sehr, daß selbst den Reicheren durchaus nichts übrig blieb, und wenn ja einer etwas aus den Flammen S. 66 rettete, lauerten ihm Diebe auf und raubten es. In dem Gebiet von Chartres floß wirkliches und wahrhaftiges Blut aus gebrochenem Brote1. Die Stadt Bourges wurde von einem starken Hagelschlag heimgesucht.
Vielleicht meint Gregor Abendmahlsbrot. ↩
