11. Von der Bekehrung der Juden durch den Bischof Avitus
Und weil unser Gott nimmer müde wird, seine Priester zu verklären, will ich hier erzählen, was sich zu Arvern in diesem Jahre mit den Juden zutrug(3) bschon der heilige Bischof Avitus(4) sie sehr häufig ermahnte, daß sie die Hülle des Mosaischen Gesetzes fallen lassen(5) und geistlich verstehen möchten, was sie läsen, und erleuchteten Sinnes in den heiligen Schriften Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, verheißen durch Propheten und Könige(6), erkennen möchten, blieb dennoch vor ihren Herzen nicht sowohl jene Hülle, von der das Antlitz des Moses verdunkelt wurde, sondern vielmehr eine feste Mauer. Als aber der Bischof öffentlich das Gebet hielt(7) daß sie zum Herrn sich bekehrten und die Hülle des Buchstabens zerrissen würde, die sie verdeckte, verlangte einer von ihnen zum heiligen Osterfest getauft zu werden, und Gott wiedergeboren durch das Sakrament der Taufe zog unter den übrigen Weißgekleideten S. 21 auch er in weißen Gewänden auf(1). Da die Menge aber in das Tor der Stadt zog(2), goß einer von den Juden auf des Teufels Betrieb ranziges Ol auf den Kopf des bekehrten Juden. Und als alles Volk voll Abscheu mit Steinwürfen auf jenen eindringen wollte, verhinderte es der Bischof. An dem heiligen Tage aber, da der Herr nach der Menschheit Erlösung glorreich zum Himmel auffuhr, stürzte sich plötzlich, als der Bischof unter Chorgesang von der Hauptkirche zu der Kirche des heiligen Martinus zog, die ganze Menge derer, die ihm folgten, über die Judenschule und zerstörte sie von Grund aus, so daß ihre Stätte der Erde gleich gemacht wurde. Am ändern Tage schickte der Bischof Botschaft zu den Juden und ließ ihnen sagen: „Mit Gewalt will ich euch nicht zwingen, den Sohn Gottes zu bekennen, sondern ich verkündige ihn euch nur und streue das Salz des Wissens in eure Seelen. Denn ich bin zum Hirten gesetzt über die Schafe des Herrn, und von euch sagt jener wahre Hirt, der für uns gelitten hat, er habe andere Schafe, die nicht aus seinem Stalle seien, die müsse er herbeiführen, auf daß Ein Hirt und Eine Herde werde(3) Wenn ihr deshalb glauben wollt wie ich, so sollt ihr Eine Herde sein und ich euer Hirte, wenn aber nicht, so verlaßt diesen Ort." Jene aber schwankten lange und waren im Zweifel, am dritten Tage aber — und ich glaube, des Bischofs Verdienst hatte das bei Gott erlangt — schickten sie einhellig Botschaft an ihn und sprachen: „Wir glauben, daß Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist, uns verheißen durch die Stimme der Propheten, und deshalb bitten wir, daß wir durch die Taufe gereinigt werden, damit wir nicht in dieser unsrer Sünde verharren." Voll Freude über diese Botschaft zog der Bischof, S. 22 als er in der heiligen Pfingstnacht den Gottesdienst gehalten hatte, nach der Taufkapelle vor den Mauern der Stadt, und dort forderte die ganze Menge der Juden auf den Knien von ihm die Taufe. Er aber, in Tränen vor Freude, taufte sie alle mit dem Wasser, salbte sie mit dem heiligen Ol und versammelte sie zu der Kirche, unser Aller Mutter. Es brannten die Kerzen, es strahlten die Lampen, es glänzte die ganze Stadt von der schneeweißen Schar, und so große Freude war hier, als Jerusalem einst zu sehen gegönnt war, da der heilige Geist auf die Apostel Herabstieg. Derer, die getauft wurden, waren aber mehr denn fünfhundert. Die aber, welche die Taufe verschmäht hatten, zogen aus von der Stadt und begaben sich nach Marseille(1).
