3. Von einem Mordanschlag gegen Gunthramn
Inzwischen kam das Fest des heiligen Marcellus heran, das in der Stadt Chalon im September gefeiert wird, und König Gunthramn wohnte ihm selbst bei. Aber als er nach Beendigung der Messe zum hochheiligen Altäre trat, um das Abendmahl zu nehmen, kam ein Mann herzu, wie um etwas bei ihm anzubringen. Da er auf den König zuging, glitt ihm ein Dolch aus der Hand, und als man ihn sofort ergriff, fand man noch einen zweiten bloßen Dolch in seiner Hand. Sofort wurde er aus der heiligen Kirche herausgeschleppt, gebunden und auf die Folter gebracht. Er gestand, daß er abgesandt sei, den König zu töten. „So hat", sagte er, „der gemeint, der mich entsandte: Der König weiß, daß bei vielen sich Haß gegen ihn angesammelt hat, und weil er besorgt, er möchte getötet werden, so läßt er sich rundum von den Seinen umgeben, und es gibt für uns keine Möglichkeit, bewaffnet an ihn heranzukommen, außer wenn wir ihn in der Kirche niedermachen, wo man den König sorglos und ohne Furcht sich aufhalten sieht." Auch diejenigen, von denen der Mann gesprochen hatte, wurden ergriffen und viele von ihnen hingerichtet, ihn selbst aber ließ der König nach so viel Martern laufen; denn er hielt es für unrecht, einen zu töten, den man mit Gewalt aus der Kirche gebracht hatte.
