38. Von einem Anschlage gegen die Königin Brunichilde
S. 61 Als Faileuba(1) die Gemahlin(2) König Childeberts, nach der Geburt eines Kindes, das bald darauf starb, krank darniederlag, kam zu ihren Ohren ein Gerücht, daß gewisse Personen gegen sie und gegen die Königin Brunichilde Übles im Schilde führten. Sobald sie daher von ihrer Krankheit sich erholt hatte, begab sie sich zum Könige und eröffnete ihm und seiner Mutter alles, was sie gehört hatte. Sie erzählte, Septimina, ^ie Erzieherin ihrer Kinder, habe dem König den Rat geben tr Aen, er solle seine Mutter verweisen, sie selbst, seine Gemahl verlassen und eine andere zur Ehe nehmen. Dann, hätten s. gemeint, würden sie von ihm alles, was sie wünschten, durch nachdrückliche Einwirkung oder durch Bitten erlangen können. Wenn der König aber diesen Rat nicht annähme, dann hätten sie ihn durch Zauberkünste um das Leben bringen, seine Söhne zu Königen erheben, sie, die Mutter der Kinder, sowie die Großmutter vertreiben und selbst das Reich regieren wollen. Um diesen Plan hätten der Marschall Sunnegisil,(3) der Referendar Gallomagnus und Droctulf gewußt, der Septimina zur Unterstützung bei der Erziehung der königlichen Kinder zugeteilt war. Infolgedessen wurden Septimina und Droctulf ergriffen. Und sofort, als sie zwischen Pfählen ausgespannt und hart gegeißelt wurden, bekannte Septimina, daß sie aus Liebe zu Droctulf ihren Ehemann Jovius durch Zauberkünste getötet habe und jener jetzt mit ihr in Buhlschaft lebe. Auch über das, was wir oben erzählt haben, legten sie zusammen Bekenntnis ab und gaben an, die genannten Männer hätten um ihren Anschlag gewußt. Sofort wurden auch diese aufgesucht; da aber das böse Gewissen sie peinigte, suchten sie eine Zuflucht hinter Kirchenmauern. Der König ging selbst zu ihnen und sprach: „Kommet heraus S. 62 und stellt euch vor Gericht, damit wir so erkunden können, ob das, was euch vorgeworfen wird, wahr sei oder falsch. Denn meines Erachtens würdet ihr nicht in diese Kirche euch geflüchtet haben, wenn euch das böse Gewissen nicht quälte. Doch ich verspreche euch das Leben, selbst wenn ihr schuldig befunden werden solltet. Denn wir sind Christen, und es ist ein Frevel, selbst Verbrecher aus der Kirche zu führen und am Leben zu strafen"(1) Da wurden sie herausgebracht und erschienen vor dem König im Gericht. Als aber die Untersuchung über sie gehalten wurde, leugneten sie und sprachen: „Septimina und Droctulf haben uns dieses ihr Vorhaben eröffnet, wir aber haben es mißbilligt, uns davon ferngehalten und niemals unsere Zustimmung zu einem solchen Verbrechen geben wollen". Der König aber sprach: „Wenn ihr ihnen keinen Beistand hättet gewähren wollen, so hättet ihr sicherlich die Sache uns mitgeteilt. Ist es nicht klar, daß ihr ihnen beistimmtet, da ihr die Sache mir habt verborgen bleiben lassen?" Und sofort wurden sie entlassen und begaben sich wiederum in die Kirche. Septimina aber wurde mit Droctulf hart gegeißelt und mit glühenden Eisen im Gesicht gebrannt, und es wurde ihr alles genommen, was sie hatte, und sie nach dem Hofe Marlenheim(2) gebracht, daß sie dort die Mühle drehte und den Mägden in dem Spinnhause(3) den täglichen Bedarf an Mehl bereitete. Droctulf wurden die Haare und die Ohren abgeschnitten, und er in einen Weinberg geschickt, um dort zu arbeiten. Doch entkam er wenige Tage nachher, wurde aber vom Verwalter S. 63 wieder ergriffen, abermals zum Könige gebracht, hier schwer gegeißelt und dann abermals nach dem Weinberge geschickt, den er verlassen hatte. Sunnegisil und Gallomagnus verloren ihre Güter, die sie vom Staate erhalten hatten, und wurden in die Verbannung geschickt. Da aber Gesandte von König Gunthramn erschienen, unter denen auch Bischöfe waren, und für sie Fürbitte einlegten, so wurden sie aus der Verbannung zurückgerufen, doch blieb ihnen nichts, als was ihr Erb und Eigen war.
