8. Wie Gunthramn Boso vor dem Könige erschien
Gunthramn Boso1 der der Königin ein Gegenstand des Hasses war, lief jetzt bei den Bischöfen und Vornehmen herum und suchte sich nur zu spät ihre Gunst zu erwerben, nachdem er sie zuvor verschmäht hatte. Denn als König Childebert noch jünger war, hatte jener die Königin Brunichilde oft durch Schmähungen und böse Worte gereizt, auch die Kränkungen, welche sie von ihren Feinden erfuhr, gern gesehen und begünstigt. Jetzt befahl aber der König, um hen Schimpf seiner Mutter zu rächen, man solle ihn verfolgen und töten. Da er sich so in der größten Gefahr sah, floh er nach der Kirche von Verdun; denn er hoffte zuversichtlich, durch Bischof Agerich,2 der des Königs Taufpate war, seine Verzeihung erwirken zu können. Auch eilte der Bischof zum Könige, legte Fürbitte für Gunthramn ein, und der König konnte ihm nicht abschlagen, worum er bat. Er sagte daher: „Er erscheine vor uns, stelle uns Bürgen und begebe sich dann zu unsrem Oheim; was der über ihn beschließen wird, das wollen wir tun". Darauf wurde er ohne Waffen und in Handfesseln an den Ort gebracht, wo der König sich aufhielt, und vom Bischöfe diesem vorgestellt. Er warf sich dem Könige zu Füßen und sprach: „Ich habe gesündigt an dir und deiner Mutter, da ich euren Geboten nicht gehorsam gewesen bin, sondern gegen euren Willen und die Wohlfahrt des Landes gehandelt habe; jetzt aber bitte ich, S. 12 vergebet mir, was ich euch Übles getan habe". Der König befahl ihm, vom Boden aufzustehen, und übergab ihn dem Bischöfe mit den Worten: „In deinem Schutze stehe er, heiliger Bischof, bis daß er König Gunthramn vor die Augen kommt". Und er befahl ihm, von dannen zu ziehen.
