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Nachdem er sich dann gewaschen, wurde er seiner Qual durch vernünftige Überlegung Herr; er trat wieder zu den Fremden und lud sie zum Mahle, nachdem er ihnen zuvor den für den Jüngsten als Geisel zurückbehaltenen Bruder herausgegeben hatte. Es nahmen aber auch andere an dem Mahle teil, angesehene Ägypter Die Bewirtung erfolgte bei allen nach ihrem väterlichen Brauche, da es ihm eine Härte dünkte, alte Gesetze unbeachtet zu lassen, zumal bei einem Gastmahle, wo doch das Angenehme das Unangenehme überwiegen soll. Da er auch Auftrag gegeben hatte, dass sie nach dem Alter gesetzt werden — damals hatten die Menschen noch nicht die Sitte des Lagerns bei den Mahlzeiten (Bei Griechen und Römern herrschte bekanntlich die Sitte, bei Tisch nicht zu sitzen, sondern zu lagern.) —, wunderten sie sich, dass die Ägypter dieselben Bräuche hatten wie die Hebräer, dass sie auf bestimmte Reihenfolge achtgaben und in der Ehrung der Älteren und der Jüngeren Unterschiede zu machen wussten. Vielleicht, dachten sie, hat sonst in dem Lande eine rohere Lebensweise geherrscht, und dieser Mann, der an die Spitze des Gemeinwesens gestellt ist, hat nicht nur in die grossen Dinge; durch die im Frieden und im Kriege alles gut geleitet wird, schönste Ordnung hineingebracht, sondern auch in die Dinge, die als unwesentlich gelten und meistens in Spielereien bestehen; denn das Mahl verlangt eigentlich Heiterkeit und lässt einen allzu ernsten und strengen Gast nicht gern zu. Während sie im stillen sich in solchen Lobsprüchen über ihn ergehen, werden Tische mit nicht zu kostspieligen Speisen hineingebracht, da wegen der Hungersnot der Gastgeber es nicht für richtig hielt zu schwelgen, wenn andere Mangel litten. Sie aber rechneten ihm als einsichtige Männer auch dies zum Lobe an, dass er protziges Benehmen, das zu Neid leicht Anlass gibt, verabscheue, und sagten: „Wie zeigt er auch sein Mitgefühl mit den Darbenden und wahrt doch zugleich die Würde des Gastgebers, indem er die rechte Mitte innehält und den Tadel nach beiden Richtungen vermeidet". Die Zurüstungen hatten also nichts Anstössiges und waren den Verhältnissen angemessen, das Fehlende ersetzten die fortwährenden Beweise von Freundlichkeit, im Zutrinken, in guten Wünschen und in Aufforderungen zum Nehmen (der Speisen), lauter Dinge, die den Freien und Gebildeten angenehmer sind als alles an Speise und Trank, was die Liebhaber grosser Gastmähler bereit halten, die ganz wertlose Dinge als Schaustücke für Unverständige in Parade vorführen.
