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Und während sie noch sprechen, nehmen sie den Zugtieren die Lasten ab und fordern (den Verwalter) auf, mit grösster Sorgfalt alles zu durchsuchen. Dieser wusste zwar sehr wohl, dass der Becher in dem Sacke des Jüngsten lag, da er selbst ihn heimlich hineingelegt hatte, er stellte sich aber unwissend, machte bei dem Ältesten den Anfang und suchte der Reihe nach ihrem Alter entsprechend, indem ein jeder seinen Sack vorbrachte und zeigte, bis zu dem letzten, bei dem denn auch das Gesuchte gefunden wurde. Bei dem Anblick (des Bechers) schrieen sie alle laut auf, zerrissen ihre Kleider, weinten und stöhnten, beklagten im voraus den noch lebenden Bruder und nicht minder sich selbst und den Vater, der das Unglück, das dem Sohne züstossen würde, vorausgesagt und deshalb nicht zugeben wollte, dass der Bruder mit ihnen ziehe, als sie es verlangten. Niedergeschlagen und verstört zogen sie nun denselben Weg in die Stadt zurück, ausser sich über das Geschehene, aber doch mit dem Gedanken, dass ein böser Anschlag und nicht Habgier des Bruders dahinterstecke. Sie werden alsbald zu dem Landesverweser geführt und legen ihre aus echtem Gefühl stammende brüderliche Liebe an den Tag. Denn insgesamt warfen sie sich ihm zu Füssen, als ob sie alle des Diebstahls schuldig wären, was man doch von ihnen nicht sagen konnte, und zerflossen in Tränen, flehten, boten sich selbst an, versprachen freiwillige Knechtschaft, nannten ihn ihren Herrn und sich selbst Verworfene und für Geld gekaufte Sklaven, sie liessen keinen verächtlichen Sklavennamen aus, mit dem sie sich nicht benannten. Er aber stellt sie noch mehr auf die Probe und sagt in strengstem Tone zu ihnen: „Niemals möchte ich das Unrecht begehen, so viele als Gefangene abführen zu lassen, weil einer gefehlt hat; denn wie darf man die an der Strafe teilnehmen lassen, die an dem Verbrechen nicht beteiligt sind? Jener allein soll bestraft werden, da er allein die Tat begangen hat. Ich erfahre nun, dass ihr vor der Stadt sogar den Tod über den Schuldigen verhängt habt. Ich aber behandle alles nach Billigkeit, ich mildere daher die Strafe und bestimme Knechtschaft an Stelle der Todesstrafe".
