7.
Wenn Celsus dann unseren Glauben wiederholt eine „Geheimlehre“ nennt, so müssen wir auch diesen Vorwurf zurückweisen; kennt doch fast die ganze S. 13 Welt die Predigt der Christen besser als die Ansichten der Philosophen. Denn wer hat noch nicht gehört von der Geburt Jesu aus einer Jungfrau, von seiner Kreuzigung und Auferstehung, woran so viele glauben, und von dem angedrohten Gericht, in welchem den Sündern die gebührende Strafe, den Gerechten aber der verdiente Lohn zuteil wird? Bildet nicht auch das Geheimnis der Auferstehung, weil nicht verstanden, bei den Ungläubigen fortwährend den Gegenstand ihres Gespräches und ihres Spottes? Bei solcher Sachlage ist die Behauptung, unser Glaube sei eine „Geheimlehre“ ganz abgeschmackt. Wenn es aber gewisse Lehren gibt, die gleichsam auf die exoterischen (= die allen verkündigten) folgen und nicht zu der großen Menge dringen, so ist dies nicht nur eine Eigentümlichkeit der Lehre der Christen, sondern findet sich auch bei den Philosophen; diese haben nämlich teils exoterische Lehren (welche alle), teils esoterische Lehren (welche nur die Eingeweihten wissen dürfen1). So mußte das Wort „Er selbst hat es gesagt“ einigen Schülern des Pythagoras genügen; andere dagegen wurden im geheimen über jene Dinge belehrt, die nicht zu unheiligen und noch unreinen Ohren dringen durften. Alle die Geheimdienste überall in Griechenland und bei den Barbaren bleiben, obwohl sie doch im geheimen betrieben werden, von dem Angriff des Celsus verschont; deshalb hat Celsus keinen Grund, „das Geheime“ des Christentums, das er nicht einmal genau kennt, zu verdächtigen.
Vgl. Clemens Al., Strom. V 9, 58 (II 365, 11 ff. Stählin). ↩
