17.
Im folgenden erhebt Celsus Anklage gegen die Geschichtserzählung des Moses und macht denen, die sie im geistigen und bildlichen Sinne auslegen, daraus einen Vorwurf. Man möchte da den braven Mann, der seinem Buche den Titel „Wahres Wort“ gegeben hat, doch fragen: Warum denn, mein Bester, findest du die Götter so trefflich, die in so großes Mißgeschick geraten, wie es deine weisen Dichter und Philosophen berichten, die fluchbeladene Verbindungen eingehen, die gegen ihre Väter Kriege führen und sie entmannen? Warum machst du so viel Rühmens davon, dass erzählt wird, sie hätten solche Dinge gewagt, getan und erlitten? Wenn aber Moses solche Dinge von Gott nicht berichtet und auch nicht von den heiligen Engeln, und von den Menschen bei weitem nicht so Schlimmes - denn keiner hat bei ihm gewagt, was Kronos gegen Uranos, oder was Zeus gegen seinen Vater, oder was er damals gewagt hat als1 „der Vater der Götter und Menschen2“ seiner eigenen Tochter beiwohnte -, da glaubst du3, dass er die, welche Gesetze von ihm erhalten hatten, getäuscht und in die Irre geführt hat? Mir scheint Celsus hierin ähnlich zu handeln, wie Thrasymachos bei Plato, der dem Sokrates nicht gestattet, die an ihn gestellte Frage über das Wesen der Gerechtigkeit so, wie er will, zu beantworten, sondern zu ihm sagt: Siehe zu, dass du nicht behauptest, das Nützliche sei das Gerechte, oder S. 26 das Notwendige sei es, oder etwas anderes der Art4. Denn indem Celsus die Erzählungen bei Moses willkürlich vor Gericht stellte und ihre allegorische Erklärung tadelte, wobei er diesen zugleich auch ein gewisses Lob spendete, dass sie „maßvolleren Leute“ seien: wollte er durch seine willkürliche Anklage nicht gleichsam die, welche als Verteidiger darzulegen imstande waren, wie sich die Dinge wirklich verhalten, daran hindern`?
