21.
Celsus sagt: „Diese Lehre also hat Moses bei weisen Völkern und gelehrten Männern vorgefunden und sich angeeignet und dadurch einen göttlichen Namen (d.h. den Namen eines Gottgesandten) erhalten.“ Wir antworten darauf: Zugegeben, dass Moses eine ältere Lehre bei anderen vorgefunden und den Hebräern mitgeteilt habe. War nun diese Lehre, von der er Kenntnis bekam, falsch und weder weise noch ehrwürdig, so ist er tadelnswert, wenn er sie angenommen und seinem Volke überliefert hat; wenn er aber, wie du sagst, weisen und wahren Lehren zustimmte und seine Volksgenossen in diesen unterwies, was hat er dann strafbares getan? Hätten doch auch Epikur und Aristoteles, der gegen die Vorsehung weniger als jener frevelt, und die Stoiker, welche die Körperlichkeit Gottes behaupten, von dieser Lehre vernommen! Dann wäre nicht die Welt von einer Lehre erfüllt, welche die Vorsehung leugnet oder einschränkt oder ein vergängliches Urwesen, eben das körperliche, annimmt. So halten ja die Stoiker Gott für ein körperliches Wesen und scheuen sich nicht zu lehren, er sei wandelbar und jedem Wechsel und jeder Veränderung unterworfen, ja er könnte einfach vernichtet werden, wenn einer da wäre, der ihn vernichtete und er sei glücklicherweise der Vernichtung nur deshalb entgangen, weil nichts vorhanden sei, das ihn vernichten könnte.1 Die Lehre der Juden und Christen dagegen, die an der Unwandelbarkeit und Unveränderlichkeit Gottes festhält, wird für gottlos gehalten, weil sie nicht mit denen freveln will, die von Gott frevelhaft denken, sondern in ihren S. 30 Gebeten an die Gottheit spricht: „Du aber bist derselbe.“2 Wir glauben aber auch, dass Gott gesagt hat: „Ich ändere mich nicht.“3
