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Wenn man also, wie meine Darlegung gezeigt hat, irgend einem Stifter einer philosophischen Schule bei den Griechen oder Barbaren „Glauben“ schenken darf, warum sollte man dann nicht weit mehr dem über allen waltenden Gotte glauben und dem, welcher lehrt, dass man diesen allein verehren müsse1, dagegen alle S. 18 anderen Wesen und Dinge gering zu achten habe, da sie entweder nichts sind oder, wenn sie wirklich etwas sind, dann höchstens eine ehrende Würdigung, aber keine Anbetung und Verehrung beanspruchen können? Wer aber nicht nur glauben, sondern die Dinge auch wissenschaftlich betrachten will, der wird hiervon die Beweise angeben, die ihm von selbst beifallen und durch eindringende Forschung entdeckt werden. Läßt sich aber der Glaube bei allen menschlichen Dingen nun einmal nicht umgehen, dann ist es doch wohl vernünftiger, Gott mehr zu glauben als jenen Philosophen! Denn wer begibt sich aufs Meer oder tritt in die Ehe oder zeugt Kinder oder streut den Samen auf die Erde aus, der nicht glaubt, dass es ihm zum Guten ausschlagen werde, obgleich auch das Gegenteil2 davon möglich ist und zuweilen auch eintritt? Aber trotzdem wagen sich alle Menschen im Glauben, dass es gut und nach Wunsch gehen werde, selbst an Dinge, die ungewiß sind und ebensowohl gut als schlimm ausfallen können. Wenn aber im Leben bei jeder Handlung, deren Ausgang zweifelhaft ist, die Hoffnung und der Glaube, der sich von der Zukunft das Beste verspricht, den Menschen trägt und hält, dann sind doch mehr als diejenigen, welche das Meer befahren, das Land bestellen, ein Weib nehmen oder sonst ein menschliches Geschäft besorgen, zu diesem Glauben die andern berechtigt, die Gott vertrauen, der dies alles erschaffen hat, und dem, der mit unendlichem Hochsinn und göttlicher Seelengröße diese Lehre allen Menschen auf dem bewohnten Erdkreis kund zu tun gewagt hat unter großen Gefahren und Erduldung eines für ehrlos geltenden Todes, der dies alles für die Menschen gelitten, der auch seine ersten Jünger und Schüler gelehrt hat, sie sollten sich von den großen Gefahren und der stets drohenden Todesstrafe nicht abschrecken lassen, für das Heil der Menschen mutig in alle Welt hinauszugehen.
