17. Die Grundlage des geistigen Kampfes beruht auf dem Kampfe gegen die Unmäßigkeit.
S. 111 Willst du einen wahren Kämpfer Christi hören, der in rechtmäßigem Kampfe streitet? „Ich laufe so“, sagt derselbe,1 „nicht wie in’s Unbestimmte; ich kämpfe so und mache keine Lufthiebe, vielmehr kasteie ich meinen Leib und bringe ihn in Abhängigkeit, damit ich nicht, indem ich Andern predige, selbst verworfen werde.“ Siehst du, wie er auf sich selbst, auf sein Fleisch, wie auf die festeste Grundlage den ganzen Kampf gründet und einen Fortschritt im Kampfe einzig von der Abtödtung des Fleisches und der Unterwerfung seines Leibes hofft? Also „so laufe ich nicht wie in’s Unbestimmte“. Nicht läuft in’s Unbestimmte, wer, nach dem himmlischen Jerusalem schauend, einen festen Punkt hat, wohin er seines Herzens ungeschwächte Schnelligkeit richten muß. Nicht läuft in’s Unbestimmte, wer vergißt, was hinter ihm liegt, und auf das gerichtet ist, was vor ihm liegt, wer das bestimmte Ziel der durch Gott in Christo Jesu an ihn ergangenen höheren Berufung verfolgt und den Blick seines Geistes auf Christus gerichtet hält, auf den die ganze Bildung seines Herzens abzielt, was er mit den vertrauensvollen Worten bekundet:2 „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, meinen Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.“ Und weil er sich bewußt war, daß er nach dem Wohlgeruche der Salben Cbristi in eiliger Hingebung seines Gewissens unermüdlich gelaufen ist und im Kampfe gegen den Geist durch die Kreuzigung des Fleisches den Sieg davon getragen hat, tritt er mit Vertrauen zu ihm hin und spricht:3 „Im Uebrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir der Herr als gerechter Richter an jenem Tage verleihen wird.“ Und um auch uns gleiche Aussicht auf Vergeltung zu eröffnen, wenn wir ihm in diesem Wettlaufe S. 112 nachahmen wollten, fügt er bei: „aber nicht allein mir, sondern auch Allen, die seine Ankunft lieben.“ Damit bezeichnet er uns als einstige Theilnehmer an seiner Krone am Tage des Gerichtes, wenn wir die Ankunft Christi lieben, nicht nur jene, die wir auch wider unsern Willen erfahren werden, sondern auch diejenige Ankunft, durch welche er täglich die frommen Seelen heimsucht und uns befähigt, aus Liebe zu ihm durch Züchtigung unseres Leibes den Sieg im Kampfe zu erringen. Von dieser Ankunft sagt der Heiland im Evangelium:4 „Ich und mein Vater werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen,“ und wiederum:5 „Siehe, ich stehe an der Thüre und klopfe an; wenn Jemand meine Stimme hört und die Thüre aufmacht, so will ich zu ihm eingehen und Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.“
