21. Von dem inneren Frieden und der geistigen Enthaltsamkeit des Mönches.
Nicht brauchen wir die Feinde von aussen zu fürchten; in uns selbst ist der Feind eingeschlossen. Ein innerer Krieg wird täglich in uns geführt. Ist dieser ausgekämpft, so wird Alles, was sich ausserbalb findet, schwach und dem Streiter Christi vollständig unterworfen sein. Nicht werden wir den Feind von aussen zu fürchten haben, wenn Alles, was in uns ist, sich besiegt dem Geiste unterwirft. Glauben wir ja nicht, daß die Enthaltung von sichtbarer Speise allein zur geistigen Vollkommenheit und leiblichen Reinheit hinreichen könne, wenn nicht damit auch das Fasten des Geistes verbunden ist. Denn auch er hat seine schädlichen Speisen, und ist er durch diese fett geworden, so rollt er, auch ohne S. 116 Überfluß an Speisen, an den Abgrund der Üppigkeit. Zerstreuung ist seine Speise, und zwar eine sehr angenehme, Zorn ist auch eine Speise für ihn, wenn auch keine sehr leichte, der jedoch zu Zeiten ihm einen höchst verhängnißvollen Geschmack bereitet, und deren Genuß ihn ebenfalls tödtlich trifft. Neid ist eine Speise für den Geist, der ihn mit giftigen Säften verdirbt und nicht abläßt, ihn durch das Glück und den Erfolg des Nächsten fortwährend qualvoll zu martern. Cenodoxie. d. i. eitle Ruhmsucht, ist ihm eine Speise, deren ergötzlicher Genuß ihn eine Zeit lang beruhigt, dann aber entblößt, aller Tugenden beraubt und nackt macht und ihn jeglicher geistigen Frucht baar entläßt. Diese Speise bewirkt nicht bloß den Verlust der durch die überaus großen Mühen erworbenen Verdienste, sondern bereitet auch noch größere Qualen. Alle Begierlichkeit und alles unstäte Herumschweifen des Geistes ist eine Nahrung der Seele, welche sie mit schädlichen Speisen nährt, aber den, der das Himmelbrod und eine gediegene Speise nicht kostet, nachmals verläßt. Wenn wir uns also, soviel in unserer Macht liegt, dieser Speisen durch ein besonders geheiligtes Fasten enthalten, werden wir mit Nutzen und Bequemlichkeit das körperliche Fasten beobachten können. Denn ein abgetödteter Leib, verbunden mit einem zerknirschten Geiste, wird ein Gott sehr angenehmes Opfer und eine würdige Wohnstätte der Heiligkeit mit reinen und makellosen Zufluchtsstätten darstellen. Uebrigens, wenn wir trotz des körperlichen Fastens in die verderblichsten Sünden des Geistes verstrickt sind, wird uns die Züchtigung des Fleisches Nichts nützen, da wir an einem viel kostbareren Theile befleckt und an jener wesentlichen Seite fehlerhaft sind, durch welche wir die Wohnung des heiligen Geistes werden. Denn nicht so sehr das verwesliche Fleisch als ein reines Herz wird die Wohnung Gottes und der Tempel des heiligen Geistes. Es muß also, während der äussere Mensch fastet, auch der innere in ähnlicher Weise sich der schädlichen Speisen enthalten; vorzüglich muß er sich rein halten für Gott, damit er Christum als Gast in sich aufzunehmen verdiene. Dazu mahnt der S. 117 Apostel mit den Worten,1 es möge im inneren Menschen Christus wohnen, durch den Glauben in unseren Herzen.
Ephes. 3, 17. ↩
