2. Von den Vandalen und der Christenverfolgung in ihrem Reich
Danach verließen die Vandalen ihre Heimat und brachen unter ihrem König Gunderich in Gallien ein1, verheerten schrecklich dies Land und wandten sich dann nach Spanien2 Ihnen folgten die Sueven, d. h. die Alamannen, und nahmen Galicien ein. Und nicht lange nachher erhob sich ein Krieg zwischen beiden Völkern, weil sie nahe beieinander wohnten. Als sie darauf gerüstet zum Kampf auszogen und schon zur Schlacht sich bereit machten, sprach der Alamannenkönig so: »Wie lange soll denn der Krieg heimsuchen das ganze Volk? Ach lasset doch nicht viel Volks umkommen auf beiden Seiten, sondern zwei von uns3 mögen mit ihren Kriegswafsen auf den Kampfplatz treten und die Sache unter sich ausfechten. Wessen Kämpe4 dann siegt, S. 56 der nehme das Land ohne Streit«. Alle stimmten dem bei, auf daß nicht das ganze Volk fiele vor der Spitze des Schwertes. Zu jener Zeit aber war König Gunderich schon gestorben und an seiner Stelle hatte Transimund5 das Reich erworben. Als nun die Kämpen zusammentrafen, unterlag die Partei der Vandalen, und als ihr Kämpe gefallen, gelobte Transimund auszuziehen, er wolle nämlich, nachdem er alles zum Marsche gerüstet, die Grenzen Spaniens verlassen.
Zu derselben Zeit aber verhängte Transimund eine Ver— folgung über die rechtgläubigen Christen6, und wollte durch Foltern und Todesqualen aller Art es dahin bringen, daß ganz Spanien sich zu der abtrünnigen Lehre des Arius wende. Und so geschah es auch, daß eine gottgeweihte Jungfrau —— sie war reich und nach weltlicher Schätzung durch den Adel ihres alten römischen Gefchlechtes ausgezeichnet, und war, was mehr als das alles ist, stark im rechten Glauben und diente untadelig Gott dem Allmächtigen — zur Abtrünnigkeit gezwungen werden sollte. Und als sie vor den König geführt wurde, suchte er sie zuerst durch Schmeichelreden dazu zu vermögen, daß sie sich abermals taufen ließe7. Als sie aber die vergifteten Pfeile seiner Rede mit dem Schilde des Glaubens abwehrte, befahl er, ihr Hab und Gut zu nehmen, sie aber hatte schon in ihrem Herzen die Schätze des Paradieses. Darauf ließ er sie foltern und martern, so daß ihr keine Hoffnung für dies zeitliche Leben mehr blieb. Endlich —— um kurz zu sein —— nach vielfachen Martern, als alle irdischen Schätze ihr genommen, und sie doch nicht dahin gebracht werden konnte, die heilige Dreieinigkeit zu verleugnen, wurde sie widerstrebend fortgeschlepptz um abermals getauft zu werden.
S. 57 Als man sie aber mit Gewalt nötigte, unterzutauchen in das Bad des Unrats, rief sie: »Jch glaube, daß der Vater eines Wesens und Seins mit dem Sohne und dem heiligen Geiste ist,« und benetzte alles Wasser mit solcher Salbe, wie sich gebührte, mit der Auslehrung nämlich ihres Leibes. Hierauf wurde sie zur gerichtlichen Untersuchung gezogen, auf den Bock gespannt, mit Feuer und Klauen gefoltert8 und weihte endlich ihr Blut Christus dem Herrn, indem ihr Haupt unter dem Schwerte fiel. Hierauf gingen die Vandalen, indem die Alamannen sie bis nach Traducta9 verfolgten, über das Meer und breiteten sich durch die ganzen Provinzen Afrika und Mauritanien aus.
4o9. ↩
Der Krieg war nach der Meinung der alten Qrmanen ein Gottesurteih um es einzuholen. bedurfte es nicht des Kampfes der VII» selbst, es genilgte oft ein FHTUZEUUIJIPL dessen Ausgange sich die Völker unterwarfen. Diese Ansicht hat sich bis il? dxssshkitere Mittelalter erhalten: vgl. Grimm, Deutsche Rechtsaltertiimer (4. Aufl.) ↩
Die Kämpen werden Dienstleute genannt (puorj). Man findet auch sonst, daß TM Zweikampf Dienstleute fllr ihre Dienstherren eintraten. Geschichtschreibey Vd. s. Gregor von Tours, l, 4. Aufl. ↩
Genferich, nicht Transimund folgte 427 oder 428 auf Gunderich. Die Erzählung enthält auch sonst Jrriges » ↩
Gregor nennt sie hier wie immer, wenn er ihren Gegenfatz zu den Artanettl bezeichnen will, schlechthin Ohrjstianos, ohne weiteren Zufatz. ↩
Die Wiedertaufe empfange. ↩
Die Klauen waren ein eisernes Marterwerkzeug das tief in das Fleisch einschnitt. ↩
Julia Traducta, der alte Name von Tangeu ↩
