24. Von der Hungersnot in Burgund und von Ecdicius
Zu der Zeit des Bischofs Sidonius bedrängte eine große Teuerung das Burgunderland, das Volk zerstreute sich nach allen Seiten und niemand bot den Armen Nahrung dar. Da soll ein gewisser Ecdicius, ein vornehmer Mann1 und ein Verwandter des Sidonius, im Vertrauen auf Gott Großes ausgerichtet haben. Als nämlich die Teuerung überhand nahm, schickte er seine Diener mit Pferden und Wagen durch die benachbarten Städte, daß sie alle zu ihm brächten, die vom Mangel heimgesucht würden. UUV jene zogen aus und brachten so viele Arme sie nur finden konnten, in sein Haus. Dort ernährte er sie die ganze Zeit der Teue- S. 99 rung hindurch und rettete sie so vom Hungertode Es waren ihrer, wie man behauptet, mehr als 4000 beiderlei Geschlechts. Als aber die gute Zeit zurückkehrte, sorgte er dafür, daß ein jeder wieder fortgefahren wurde und an seinen Ort zurückkehrte. Und als sie fort waren, erschallte ihm eine Stimme vom Himmel, die sprach: »Ecdicius, Ecdicius, weil du dies getan, wird es dir und deinem Samen nimmer an Brot fehlen. Denn du bist gehorsam gewesen meinen Geboten und hast meinen Hunger gestillt, da du Arme speiset2.«
Ecdicius war, wie man erzählt, von bewunderungswürdiger Gewandtheit in den Waffen; denn einstmals, wie man liest, schlug er mit zehn Mann eine Menge Gothen in die Flucht3
Auch der heilige Patiens, Bischof von Lyon, erwies bei jener Hungersnot dem Volke in ähnlicher Weise Gutes, und wir haben noch jetzt einen Brief des heiligen Sidonius, worin er ihn deshalb mit großer Beredsamkeit belobt4.
Einer von den Senatoren«. Er war der Sohn des Kaisers AVITUZ UUV des Sidonius Schwagev ↩
»Nachkommen des Ecdicius scheinen auch später in Gallien gelebt zu haben, da die göttliche Stimme, die ihm verkündet haben soll, daß es ihm und seinem Samen niemals an Brot fehlen werde, doch wohl ein oraculum ex eventu ist.« Seeck in Paulys Realencyclopaedie der klassischen Altertumswissenschaft V, 2, 2160. ↩
Von der Verteidigung von Clermont gegen die Gothen durch Ecdicius berichtet auch Apollinaris Sidonius in seinen Vriefen (I1I, 3) und Jordanes (45, 240). Nach Sidonius war er bei der von Gregor erwähnten Waffentat von 18 Gefährten begleitet. ↩
B. VI. Brief IS. ↩
