34. Wie Gundobad sich bekehren wollte
Da Gundobad aber inne geworden war, daß die Lehren der Ketzer irrig seien, verlangte er vom heiligen Avitus, dem Bischof zu Vienne1, heimlich gesalbt zu werden, indem er S. 114 bekannte, daß Christus Gottes Sohn und der heilige Geist dem VCUEV gleich sei— D« VischVf Ab« fPMch zu ihm: »Wenn du in Wahrheit glaubst, so mußt du auch das befolgen, was uns der Herr gelehrt hat. Er sagt aber: »Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater2.« Und so sprach er auch zu den heiligen und von ihm hochgeliebten Aposteln, als er hinwies auf die Versuchungen der kommenden Verfolgung: »Hütet euch vor den Menschen, denn sie werden euch überantworten vor ihre Rathäuser und werden euch geißeln in ihren Schulen, und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen zum Zeugnis über sie und über die Heiden3« Du aber bist selbst ein König und kannst von niemandem ergriffen werden, aber du fürchtest einen Ausstand im Volke, und deshalb wagst du nicht den Schöpser aller Dinge öffentlich zu bekennen. Laß diese Torheit, und was du im Herzen glaubst, wie du sagst, das bekenne auch vor dem Volke. Denn so spricht der heilige Apostel: »So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennt, wird man selig4.« Und der Prophet: »Jch will dir danken in der großen Gemeine, Herr, und unter viel Volks will ich dich rühmen5.« Und abermals: »Herr, ich will dir danken unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten6.« Du fürchtest das Volk, o König, weil du nicht einsiehst, daß S. 115 es besser ist, daß das Volk deinem Glauben folge, als daß du uachgibst der Schwachheit der Menge? Denn du bist das Haupt des Volkes, das Volk ist aber nicht dein Haupt. So oft ihr zum Kriege auszieht, gehst du ja voran den Heerscharen und jene folgen dir, wohin du sie führst. Also ist es auch besser, daß du nun vorangehst, und sie die Wahrheit erkennen, als daß du verderbest, und sie im Jrrtume verharren. Denn Gott läßt sich nicht spotten7 und liebt den nicht, der um irdischer Herrschaft willen ihn in der Welt nicht bekennt.« Da wurde Gundobad irre an sich selbst, und beharrte bis an sein Lebensende8 in seiner Torheit, denn er wollte es nimmer offen bekennen, daß die Dreifaltigkeit Eines Wesens sei.
Der heilige Avitus galt aber dazumal viel durch die Kraft seiner Rede, und als zu Konstantinopel die Jrrlehre des Eutyches und Sabellius9 sich verbreitete, daß nämlich unser Herr Jesus Christus keinen Anteil an der Gottheit gehabt habe, schrieb er auf Bitten König Gundobads dawider. Wir haben noch seine wundervollen Briefe, die, wie sie damals die Jrrlehre zu Boden schmetterten, jetzt die Kirche Gottes erbauen. Außerdem schrieb er ein Buch Predigten, sechs Bücher in Versen über den Weltanfang und über verschiedene andere Gegenstände, neun Bücher Briefe sodann, worin auch die eben erwähnten Briefe enthalten sind. Er erwähnt aber in einer Predigt, welche er über die Bettage schrieb10, daß jene Bettage, welche wir vor dem ruhm- S. 116 reichen Feste der Himmelfahrt des Herrn feiern11, von Mamertus, der ebenfalls Bischof zu Bienne war, wo Avitus nun selbst seinen Sitz hatte, eingesetzt worden seien, als jene Stadt durch viele wunderbare Erscheinungen in Furcht versetzt war. Sie wurde nämlich durch häufig wiederkehrende Erdbeben erschüttert, und wilde Tiere, Hirsche und Wölfe kamen in die Tore und schweiften furchtlos in der Stadt umher. Und als dies ein ganzes Jahr hindurch so fortging, und die Zeit des Osterfestes nahte, harrte alles Volk in Demut aus das Erbarmen Gottes, daß diese festlichen Tage doch endlich ihrer Furcht ein Ziel setzen möchten. Aber in der Nacht vor dem ruhmreichen Feste wurde plötzlich, während man die Messe feierte, der königliche Palast innerhalb der Stadt durch einen Blitzstrahl eingeäschert. Da stürzten alle voll Furcht aus der Kirche und glaubten nicht anders, als daß die ganze Stadt in Brand geraten, oder die Erde fich spalten und sie verfchlingen würde. Der heilige Bischof aber warf fich nieder vor dem Altare, und flehte unter Tränen und Seufzern Gottes Barmherzigkeit an. Mit kurzen Worten, das Gebet des ruhmreichen Bischofs drang zu den Höhen des Himmels, und der Bach seiner rollenden Tränen löschte den Brand. Deshalb, als fich, wie schon erwähnt, die Himmelfahrt des Herrn nahte, ordnete er für das Volk einen Fasttag an, setzte bestimmte Gebete fest, gab eine Fastenordnung und verordnete, daß man durch Almosen die Armut erfreuen solle. Darauf zeigten fich auch die anderen Schrecken der Stadt nicht mehr, und durch alle Lande ging der Ruf aus von dem, was geschehen war, und trieb alle Bischöfe an, das Werk nachzuahmen, das jener im Glauben vollführt hatte. Und so werden die Bettage bis jetzt in allen S. 117 Kirchen mit andächtigem Herzen und demütigem Geiste in Christi Namen gefeiert. "
Avitus vvn Vienne, ein Berwandter des Llpollinaris Sidoniiis und des Kaisers Llvitus, als Bischof zuerst 494 tiachwcsisbay gest. 518, eine. der bedeutendsten EVTCHEIUUUSCU der gallischen Kirche seiner Zeit. Als Dogmatiker wie als Kirchenpolitiker war er ein eifriger Verfechter römischer Anschauung. Ein Zögling der antiken Rhetorenschule, ragt er vor allem als christlicher Dichter hervor — Gulzot hat in ihm einen nicht immer unebenbürtigen Vorläufer Milton’s gesehen —, Abs! auch durch seine Briefe und Predigten. Von diesen sind manche für König GUJIVVVUV bestimmt, so die unten genannten zwei Bücher contra Eutyohianam hssksslm Und Dialoge über den Arianismus, von denen spätere Schriftsteller nur einzelne Fragmente aufbewahrt haben, dann kleinere Traktate in Briefsorm ↩
Matttx m. 32. as. ↩
Matth. ro, 17. 18. ↩
Römer 10. 10 ↩
Psalm 35, is. ↩
Psalm. 57, m. ↩
Galat 6, 7. ↩
516. ↩
Sabellius (lebte in Rom in der ersten Hälfte des B. Jahrhunderts) gehörte zu den sog. Monarchianerm d. h. jenen Theologen, die einen strengen Monotheisnius vertraten und die dadurch in Gegensatz zu der Trinitiitslehre gerieten. Dem cl)ristllchen Osten galt er geradezu als Repräsentant der ganzen (in sich tatsächlich sehr V19kg9sPUlt9UCU) Richtung. So konnte man an ihn den Archimandriten Eutyches aUfshl1EßEUVer Um 440 mit großer Heftigkeit die Lehre von beiden Naturen in Christo dekampfte und nur die göttliche anerkennen wollte. Die Lehre wurde von der Shnodc ZU CHUICEVDU km Jahre 451 verdammt. Die. dadurch herbeigeführten sogssntonrss Phystkkschen Streitigkeiten dauerten noch lange fort. ↩
Es ist die sechste. ↩
Die sog. kleinen Litanien oder Rogativnen m! des! drei DEM Himmelfahrt« fest vorausgehenden Tagen; es handelt fich dabei wohl um den altherdnxschlexz II: der Kirche übernommenen Flurumgang, der ajußvk ÜVUUA gekoxmcnd Ton Oklöans Mamertus neu belebt wurdeDie von Chlodovech 511 versammelte EIN-IRS com: l s) schrieb in ihrem 27. Kanon diese Rogattonen für alle Kirchen vor (. . J— · i ↩
