42. Vom Ende Ragnachars und seiner Brüder
Es lebte aber damals zu Cambray König Ragnachar, ein Mann, der so den Lüsten ergeben war, daß er kaum seine nächsten Verwandten unbeschimpft ließ. Zu seinem Vertrauten hatte er den Farro, einen gleichschmutzigen Menschen und brachte man ihm Speise oder ein Geschenk oder irgend etwas anderes, so soll er immer gesagt haben, es sei genug für ihn selbst und seinen Farro. Darüber schwoll das Herz der Franken von bitterem Grimm, und Chlodovech fchickte ihnen goldene Armspangen und Wehrgehänge — sie sahen freilich nur aus wie Gold, denn es war künstlich vergoldetes Erz —, die schickte er den Leuten1 des Ragnachar, daß sie ihn gegen ihren König in das Land riefen. Als er darauf mit seinem Heere gegen ihn ausbrach, sandte jener zum öfteren Kundschafter aus, um alles zu erforschen, und als sie zurückkehrten, fragte er sie, wie stark S. 127 das Heer der Feinde sei. »Für dich, sagten sie, und deinen Farro ist des Volks übergenug« So zog Chlodovech heran und begann gegen ihn den Kampf. Ragnachar aber sah sein Heer besiegt und wollte fliehetr Da ergriffen ihn die Seinigen, banden ihm die Hände auf den Rücken und führten ihn mit seinem Bruder Richar vor Chlodovech »Wie konntest du, sprach dieser, so unser königliches Geschlecht erniedrigen, daß du dich binden ließest? Ruhmvoller wäre für dich der Tod gewesen!« Und er erhob seine Axt und spaltete ihm damit den Kopf. Darauf wandte er sich zum Bruder desselben und sprach: »Wenn du deinem Bruder beigestanden hättest, er wäre nicht gebunden worden,« so hieb er auch ihn mit der Axt nieder. Nach dem Tode beider aber wurden ihre Verräter erst gewahr, daß sie unechtes Gold vom Könige erhalten hatten, und sie gingen zu ihm und sagten es ihm. »Wie billig, soll er ihnen geantwortet haben, empfängt der solches Gold, der seinen Herrn geflissentlich in das Verderben verlockt« Sie sollten sich es ja genug sein lassen, daß sie noch lebten, sonst möchten sie den Verrat an ihrem Herrn noch teuer büßen müssen und eines martervollen Todes sterben. Da sie das hörten, strebten sie nur dahin, sich seine Gunst zu erwerben und sagten, es sei ihnen genug, wenn er sie nur leben ließe. Die genannten Könige waren aber Chlodovechs nahe Blutsverwandte und ihr Bruder war Rignomer, der bei Le Maus2 auf Chlodovechs Befehl ermordet wurde. Als sie so alle getötet, gewann Chlodovech ihr ganzes Reich und alle ihre Schätze
Auch viele andere Könige ließ er töten, sogar seine nächsten Verwandten, von denen er fürchtete, sie möchten ihm das Reich nehmen, und breitete so seine Herrschaft über ganz Gallien aus. Als er aber eines Tages seine Leute versammelt hatte, soll er S. 128 zu ihnen von seinen Blutsverwandtem die er ermordet hatte, so geredet haben: »Ach, daß ich nun wie ein Fremdling unter Fremden stehe, und mir keiner der Meinigen, wenn das Unglück über mich kommen sollte, Hilfe gewähren kann!« Aber er sprach dies nicht, weil er bekümmert gewesen wäre um den Tod derselben, sondern aus List, ob sich vielleicht noch einer fände, den er töten könnte.
Landes. Das Wort hat eine doppelte Bedeutung. Es kann alle Untertanen des Königs umfassen, wird aber dann auf solche beschränkt, die als Gefolgsleute oder hohe Beamte in einem besonderen Verhältnis zu ihm stehen. Vgl. PMB. Verfassungsgeschichte (3. Aufl.) 1I, 1, 348 ff. und Brunner, Deutsche Rechtsgeschlchkk II» U Anm. 10. ↩
Man hat aus dieser Svtelle schließen wollen, daß auch in der Tljiaine ein beEVE fmkkkkfches Reich existiert habe. Die Worte Gregor-s beweisen dies nicht. ↩
