31. Von Chlodevech's Taufe
Darauf ließ die Königin heimlich den Bischof von Reims, den heiligen Remigius, rufen und bat ihn, er möchte das Wort des Heils dem Könige zu Herzen führen. Der Bischof aber beschied ihn im Geheimen zu fich, und fing an, ihm anzuliegen, er solle an den wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde glauben und den Götzen den Rücken wenden, die weder ihm noch andern helfen könnten. Jener aber sprach: »Gern würde ich, heiligster Vater, auf dich hören, aber eins macht mir noch Bedenken, das Volk, das mir anhängt, duldet nicht, daß ich seine Götter verlasse. Doch ich gehe und spreche mit ihnen nach deinem Wort« Als er darauf mit den Seinigen zusammentrat, rief alles Volk zur selben Zeit, noch ehe er den Mund auftat, denn die göttliche Macht kam ihm zuvor: »Wir verlassen die sterblichen Götter, gnädiger König, und sind bereit zu folgen dem unsterblichen Gott, den Remigius verkündet«. Solches wurde dem Bischof gemeldet, und er befahl hocherfreut, die Taufe vorzubereiten1. Mit bunten Decken wurden nun die Straßen behängt, mit weißen Vorhängen die Kirchen geschmückt, die Taufkirche in Ordnung gebracht, Wohlgerüche verbreiteten fich, es schimmerten hell die duftenden Kerzen, und das ganze Heiligtum über dem Taufbecken wurde von himmlischem Wohlgeruch erfüllt; und solche Gnade ließ Gott denen zuteil werden, die damals gegenwärtig waren, daß sie meinten, sie seien versetzt in die Wohlgerüche des Paradieses. Zuerst verlangte der König vom Bischof getauft zu werden. Er ging, ein neuer Constantim zum Taufbade hin, sich rein zu waschen von dem alten Aussatz und sich von den schmutzigen Flecken, die er von alters her gehabt, im frischen Wasser zu reinigen. Als er aber zur Taufe hintrat, redete ihn der Heilige Gottes mit beredtem Munde also an:
»Beuge still deinen Nacken, Sicamber2, verehre, was du verfolgtest, verfolge, was du verehrtest.«
Es war nämlich der heilige Bischof Remigius ein Mann von hoher Wissenschaft und besonders in der Kunst der Beredsamkeit erfahren, aber auch durch Heiligkeit zeichnete er sich so aus, daß er an Wundertaten dem heiligen Silvester3 gleich kam. Wir haben noch jetzt seine Lebensbeschreibung4, die berichtet, daß er einen Toten erweckt habe.
Also bekannte der König den allmächtigen Gott als den dreieinigen, und ließ sich taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, und wurde gesalbt mit dem heiligen Öl 5 unter dem Zeichen des Kreuzes Christi. Von S. 109 seinem Gefolge wurden aber getauft mehr als dreitausend6 Es wurde auch seine Schwester Alboflede getauft, die nicht lange danach zum Herrn einging. Und da sich der König um sie tief bekümmerte, schrieb ihm der heilige Remigius einen Trostbrief, der hub solchermaßen an: »Es betrübt mich die Veranlassung eures Kummers, es betrübt mich über die Maßen, daß eure Schwester guten Andenkens Alboflede heimgegangen ist. Aber wir vermögen euch deshalb zu trösten, denn so schied sie von dieser Welt, daß man eher dankend emporblicken, als trauern sollte7.« Es bekehrte sich ferner auch eine andre Schwester des Königs, mit Namen Lantechilde, die in die Jrrlehre der Arianer verfallen war; sie bekannte nun, daß der Sohn und der heilige Geist gleichen Wesens mit dem Vater sei, und wurde darauf gesalbt.
MUU MUß stch bei dem ganzen Vorgang den alten Taufritns gegenwärtig haltet« Die Taufe erfolgt nicht durch Venetzen des Hauptes mit geweihten! Wasser, TOUDEVF durch dreimaliges Untertanchen des Täuflitigs in einem Taufbade, über gemt Um« beflslfsewt Nebst! der bischöflichen freistehende Kirche, das Vaptisteriuny ern« W«WU Vers« hCUtC noch m Italien erhalten sind. ↩
Die Sugambern (oder in gewöhnlicher Entstellung Sicambrer), an der Sieg, einst gefürchtete Feinde der Römer. Ihre Reste, auf das linke Rheinufer verpflanzt, mögen sich später mit den Franken verbunden haben, die nun den Namen öfters in ehrender Beziehung führen. Namentlich wird bei den merovingischen Königen öfters die Abstammung von den Sicambrern hervorgehoben. Vgl. Müllenhofß Deutsche Altertumskunde 1V, 603 ff., dazu Waitz, Verfassnngsgeschichte ll, l, 25. ↩
Die Lebensbeschreibung dieses Heiligen. der der Sage nach Constantin den Großen getauft haben sollte (vgl. oben), hatte Gregor wohl vor Augen. Auch die Angabe über die Zahl der mit Chlodovech Getauften — mehr als dreitausend — findet dort ihr GegenstücL (Bgl. Mombritius, sauotuarium, Süd. Monaahi salesmenses 1I, 528, 52). · » ↩
Gregor meint wohl die noch jetzt erhaltene kurze Lebensbeschretbung, die dem Fortunatus zugeschrieben wurde. ↩
Die Sage, daß auf das Gebet des Remigius eine Taube ein Olfläschchett gebracht habe, da es an dem heiligen O! fehlte, hat erst durch Hinkmars Leben des heiligen Remigius (verfaßt 878) allgemeine Verbreitung erlangt. Doch nennt er bereits 869 Karl den Kahlen anläßlich seiner Krönung zu Metz eineu Abkömmltng Chlodovechs caolitus sumpto ehrt-wars, uuclo adhuo habet-aus, porunoti (AUU— Bett; ich verdanke diesen Hinweis W. Levison). ↩
Shie Erzählung Gregors von der Bekehrung Chlodovechs weist mancherlei WWeVfPkUche UUfZ Wahrscheinlich ist sie aus zwei verschiedenen Berichten erwachsen. Besonders auffallend ist, daß sich die Alamannenschlacht herausnehmen läßt, ohne dgß de! ZUspmmenhang gestört wird. Sie wird also kaum zur ursprünglichen ÜberIIefekUUg gehört und wohl auch nicht den wirklichen Anlaß zu Chlodovechs Übertritt gebildet haben« zumal da wir wissen, daß es von arianischer Seite nicht an BeUIÜhUUgeU gefehlt hat, ihn zu gewinnen, sein Übertritt zum (katholischen) Christentum also wohl die Folge reiflicher Erwägung, nicht einer plötzlichen Eingebung Wut— — Eine ältere Quelle als Gregor, ein Brief des Bischofs Nicetius von Trier ssmch 530—566) an Chiodovechss Enkelin Ch1odoswinda, weiß davon, daß Chrodovech in Tours versprochen habe, fiel) taufen zu lassen. Man braucht deshalb jedoch weder ravn Tours als Ort der Taufzeremonie zu denken, noch die Taufe selbst in das geh! 50I oder 508 zu verlegen und in Verbindung mit einem späteren Alemaiiiiem fleg zUz»bklUgen, wie dies neuerdings geschieht. Vielmehr war es schon 496 zu Tixeertgs kgslgzeU Kklege zwischerrFranken und Westgothen gekommen, von dem uns fräntilskgzj Hegkgåklftnichxs berichtet. Damals mag Tours vorübergehend unter haben Vgl im Auge Dtnmen Isein und Chlodovech seine Gelübde dort abgelegt «. ...3i:";;"«r «— «« is« sss Hsiiiss sz Der VII· ist « Uf «) 114 ffsz 595 ff., sittlich. Jomie zvitae sanotoriiiii 301 ff. ↩
Der brief ist noch jetzt vollstandig erhalten (M. G. lcpxx lI1, 112). ↩
