3. Von Cyrola, dem Bischof der Irrgläubigen usw.
Da aber zu ihrer Zeit die Verfolgung gegen die rechtgläubigen Christen überhand nahm, wie davon schon oben die Rede war, scheint es mir gut, noch einiges von dem zu erzählen, was sie gegen die Kirchen Gottes taten, und wie sie endlich ihre Herrschaft einbüßten Als Transimund nämlich nach manchen Schandtaten, die er an den Heiligen Gottes verübt hatte, gestorben war, gewann Hunerich, der noch grausamer war, das Reich in Afrika, und zwar trat er durch die Wahl der Vandalen an ihre Spitze1. Eine wie große Schar der Christen zu seiner Zeit um des hochheiligen Namens Christi willen geblutet hat, kann von Menschen nicht ausgesagt werden, aber Afrika, das sie gebar, uud die Rechte Christi, die sie mit unvergänglichen Edelsteinen krönte, geben Zeugnis davon2. Von einigen dieser Mär- S. 58 tyrer haben wir die Leidensgeschichte gelesen und wollen hier etliches daraus wiederholen, um so zu erfüllen, was wir versprachen.
Es wurde also zu jener Zeit für den größten Lehrer unter den Jrrgläubigen ein gewisser Cyrola gehalten, der sich mit Unrecht Bischof nannte. Und als diesen der König, um die rechtsi gläubigen Christen zu verfolgen, nach vielen Seiten herumschicktq fand der Verfolger den heiligen Bischof Cugenius3, einen Mann von unbeschreiblicher Heiligkeit, dessen Klugheit allgemein gepriesen wurde, in einer Vorstadt seines Ortes. Und so sehr beeilte er sich, ihn in Banden fortzuschleppen, daß er ihm nicht einmal Zeit ließ, zu der Gemeinde der Christen zu gehen, um sie zu ermutigen. Eugenius aber schrieb, da er sah, daß er von ihnen getrennt werde, folgenden Brief an seine Mitbürgey auf daß sie am rechten Glauben festhielten:
»Bischof Eugenius seinen Gruß den hochgeliebten und in der Liebe zu Christo ihm so teuern Brüdern und Schwestern der ihm von Gott anvertrauten Gemeinde. Der Wille des Königs ist kund geworden, und er hat uns durch einen Erlaß geboten, um unsres Glaubens willen nach Karthago zu kommen4. Deshalb, damit ich nicht, von euch scheidend, die Kirche Gottes im Ungewissen ließe, oder stillschweigend wie ein schlechter Hirte von den Schafen Christi ginge, habe ich es für notwendig erachtet, dieses Schreiben statt meiner an euch, ihr Heiligen Gottes, zu senden und euch darin unter Tränen zu bitten, zu erinnern, zu ermahnen, und hoch und teuer zu beschwören bei Gottes S. 59 Majestät und dem furchtbaren Tage des Gerichts und dem schreckenvollen Glanze des Herrn, wenn er wiederkehrt: daß ihr festhaltet am rechten Glauben der Kirche und bekennt, daß der Sohn dem Vater gleich, und der heilige Geist von demselben göttlichen Wesen ist, wie der Vater und der Sohn. Bewahret also die Gnade der einen Taufe, haltet fest an der Salbung mit dem heiligen Ä. Niemand kehre nach dem Bad der Taufe zur Taufe zurück, nachdem er wiedergeboren ist aus dem Wasser. Denn so es Gott will, wird aus dem Wasser Salz, wenn es aber wieder in das Wasser gebracht wird, verliert es sogleich seine ganze Gestalt. Darum sagt der Herr mit Recht in dem Evangelium: ,Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen5.« Und gerade das heißt dumm werden, wenn abermals gewürzt wird, wo einmal würzen genug ist. Habt ihr nicht Christus gehört, der da spricht: ,Wer einmal gewaschen ist, braucht nicht abermals gewaschen zu werden6?« Betrübet euch nicht, meine Brüder und Söhne und meine Töchter im Herrn, um meine Abwesenheit, denn ich werde, wenn ihr treu an der rechtgläubigen Lehre verharrt, in keiner Ferne euch vergessen und auch nicht durch den Tod von euch getrennt werden. Wisset, daß, wohin mich auch die Kämpfe dieses Lebens verschlagen mögen, doch die Palme des Sieges mir bleibt. Gehe ich in die Berbannung, so leuchtet mir vor das Beispiel des Evangelisten Johannes. Gehe ich in den Tod, ,mein Leben ist Christus und Sterben ist mein Gewinn7.« Kehre ich zurück, Brüder, so wird Gott euern Wunsch erfüllen. Aber es ist genug für jetzt gesagt an dem, was ich euch nicht verhehlt habe; ich habe euch ermahnt und unterwiesen, so gut ich es vermochte, und ich bin unschuldig an dem Blut aller, die verloren gehen, und ich weiß wohl, daß S. 60 wider sie dieser Brief vor dem Richterstuhl Christi wird vorgebracht werden, wenn er wiederkehren wird zu vergelten einem jeden nacb seinen Werken. Kehre ich einst, Brüder, zu euch zurück, so sehe ich euch in diesem Leben wieder, wo nicht, sehe ich euch in dem zukünftigen. Ich sage euch aber, seid stark, bittet für uns und fastet, denn Fasten und Almosen haben immer den Herrn zum Erbarmen gewandt. Gedenket dessen, was in dem Evangelium geschrieben steht: ,Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht mögen töten, fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle8
Es wurde also der heilige Eugenius zum König geführt, und er stritt dort wider jenen Bischof der Arianer für die rechtgläubige Lehre. Und nachdem er ihn in aller Kraft des Geistes überwunden und das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit verteidigt, auch Christus viele Wunder durch ihn vollbracht hatte, wurde der nämliche Bischof vom Neide entflammt und zu noch größerer Wut hingerissen. Es standen aber dazumal dem heiligen Eugenius zwei sehr weise und heilige Männer zur Seite, die Bischöfe Vindemialis9 und Longinus10, an Würde ihm gleich, an Macht des Geistes nicht ungleich. Denn der heilige Vindemialis soll einen Toten erweckt, Longinus aber viele Kranke geheilt haben. Eugenius aber nahm nicht nur die Blindheit von den sichtlichen Augen, sondern auch von den Augen des Geistes. Und als dies jener schändliche Bischof der Arianer sah, rief er einen Menschen zu sich von derselben Jrrlehre, in der er selbst lebte, und sprach: »Jch kann es nicht ertragen, daß diese Bischöfe viele Zeichen unter dem Volke tun, und alle ihnen nachgehen, mein aber nicht mehr achten. Merke nun auf das, S. 61 was ich dir sage. Hier hast du fünfzig Goldstücke, setze dich nieder auf der Straße, durch welche mein Weg führt, und lege deine Hand auf deine geschlossenen Augen, und wenn ich mit den anderen vorübergehe, so schreie mit aller Macht: »Heiligster Eyrola, du unserer Kirche Bischof, dich rufe ich an; sieh auf mich, und beweise deinen Ruhm und deine Macht, indem du meine Augen öffnest, daß ich das Licht wieder sehen kann, das mir genommen« "Der Mann aber tat, wie ihm geboten, setzte sich nieder auf der Straße, und als der Jrrlehrer vorüberging mit den Heiligen Gottes, gedachte er Gott zu versuchen und schrie mit aller Gewalt: »Höre mich, heiligster Eyrola, höre mich, heiliger Priester des Herrn, siehe auf meine Blindheit. Laß mich erfahren deine Heilkraft, welche den andern Blinden so oft zugute gekommen ist, welche die Aussätzigen kennen lernten und selbst die Toten erfuhren. Jch beschwöre dich bei der Macht, die du hast, daß du mir das ersehnte Licht wiedergebest, denn ich bin mit schwerer Blindheit geschlagen.« Er sagte aber die Wahrheit und wußte es nicht, denn die Habgier hatte ihn blind gemacht, und er meinte um Gold die Macht des allmächtigen Gottes versuchen zu können. Da wandte sich der Bischof der Jrrgläubigen nur ein wenig zur Seite, stolz und ausgeblasen, wie in der Erwartung, durch seine Wunderkraft einen Triumph zu feiern, und legte seine Hand auf die Augen des Menschen und sagte: »Durch unsern Glauben, in dem wir Gott auf die rechte Weise verehren, sollen deine Augen geöffnet werden« Und kaum hatte er solche Lästerung ausgestoßen, da wurde das Lachen in Weinen verwandelt, und die Tücke des Bischofs offenbar. Denn ein so heftiger Schmerz befiel die Augen des Elenden, daß er sie gewaltsam mit den Fingern zusammendrücken mußte, daß sie ihm nicht zersprängen Da fing der Elende an zu schreien und zu sagen: »Weh mir Armem, daß ich verführt worden bin von den: Feind des gött- S. 62 lichen Gebots! Wehe mir, daß ich Gott um Geld zu versuchen gedachte und fünfzig Goldstücke nahm, diese Sünde zu begehen» Zu dem Bischof aber sagte er: »Siehe, da ist dein Gold, gib mir mein Geficht zurück, das ich durch deine Tücke verloren habe. Und euch bitte ich, ihr so ruhmreichen wahren Bekenner Christi, sehet nicht weg über einen Elenden, sondern eilt ihm schnell zu Hilfe in seinem Verderben. Denn ich habe es erfahren in der Wahrheit, Gott läßt sich nicht spotten«11. Da wurden die Heiligen Gottes gerührt und sie sprachen voll Erbarmen: »Wenn du glaubst, alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt12.« Aber jener rief mit lauter Stimme: »Wer da nicht glaubt, daß Christus der Sohn Gottes, und daß der heilige Geist gleichen Wesens und gleicher Gottheit mit Gott dem Vater ist, den möge noch heute treffen, was mich getroffen« Und dann fügte er hinzu!
»Jch glaube an Gott den allmächtigen Vater, ich glaube an den Sohn Gottes Jesum Christum, der dem Vater gleich, ich glaube an den heiligen Geist, der gleichen Wesens und gleichewig mit dem Vater und dem Sohne« Als aber jene dies hörten, und einer dem andern die Ehre zu gönnen bereit war, entstand unter ihnen ein heiliger Wetteifer, wer seine Augen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bezeichnen sollte. Vindemialis und Longinus lagen Eugenius, dieser aber jene an, die Hände dem Blinden auszulegen. Als sie aber dies taten und ihre Hände ihm auf das Haupt legten, machte der heilige Eugenius das Kreuz Christi über die Augen des Blinden und sprach: »Jm Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, des wahren Gottes, den wir als dreifältigen, aber Eins und sich selbst gleich und gleich an Allmacht bekennen, sollen deine Augen geöffnet werden« Und sogleich wurde der Schmerz von ihm genommen, und er wurde so gesund, wie zuvor. Das aber S. 63 wurde durch seine Blindheit augenscheinlich dargetan, wie der Vischof der Jrrgläubigen die Augen des Geistes durch die arm« selige Decke seiner Lehre verhüllte, daß Niemand das wahre Licht mit den Augen des Glaubens erblicken sollte. O des Elenden, der nicht durch die Tür eingetreten, —denn Christus ist die richtige Tür13 — ein Wolf, nicht ein Wächter der Herde war, und die Leuchte des Glaubens, die er in den Herzen der Gläubigen hätte anzünden sollen, in der Bosheit seines Herzens auslöschen wollte! Die Heiligen Gottes aber taten noch viele andere Zeichen unter den Leuten, und es war nur eine Stimme unter dem Volke, das da sagte: »Wahrer Gott ist der Vater, wahrer Gott der Sohn, wahrer Gott der heilige Geist, und sie sind Eins und in Einem Glauben anzubeten, mit gleicher Scheu zu fürchten, in gleicher Weise zu verehren. Denn was Cyrola behauptet, sind eitel Lügen, wie allen kund getan«
Als aber König Hunerich seinen Wahn durch den ruhmreichen Glauben der Heiligen gebrandmarkt, seine irrgläubige Partei nicht gewehrt, sondern vielmehr zerstört, auch die Schmach seines Bischofs durch solche Schandtat enthüllt sah, befahl er die Heiligen Gottes nach vielfachen Qualen, nachdem sie auf der Folterbank mit Feuer und Klauen gemartert waren, zu töten. Den heiligen Eugenius hieß er zum Tode durch das Schwert abführen; er befahl aber, wenn er in dem Augenblick, wo das Schwert über seinen Nacken schwebe, sich doch nicht zu der Irrlehre bekehren wolle, so solle man ihn nicht töten, auf daß ihn nicht die Christen als einen Märtyrer verehrten14, sondern als- S. 64 dann ihn in die Verbannung schicken. Und allgemein bekannt ist, daß es so geschah. Denn als Eugenius im Angesicht des Todes gefragt wurde, ob er entschlossen sei für die rechtgläubige Lehre zu sterben, antwortete er: »Das ist ja das ewige Leben, sterben um der Gerechtigkeit willen« Darauf ließ man das Schwert nicht aus ihn niedersallen, sondern er wurde nach Albi, einer Stadt in Gallien, in die Verbannung geschickt, wo er sein zeitliches Leben beschloß. An seinem Grabe aber sieht man noch jetzt Vielfache Wunder. Den heiligen Vindemialis hingegen befahl Hunerich durch das Schwert hinzurichten, und so geschah es. Jn dieser Verfolgung wurden auch der Erzdiakon Octavianus und viele Tausende von Männern und Frauen, die unsren Glauben bekannten, getötet und verstümmelt. Aber um des wahren Ruhms willen achteten die heiligen Bekenner für nichts alle diese Leiden, denn sie wußten, daß sie mit wenigen Leiden sich viele Freuden gewännen nach dem Wort des Apostels, der da spricht: »Dieser Zeit Leiden sind der Herrlichkeit nicht wert, die an den Heiligen soll geoffenbaret werden15.« Viele dagegen, die damals vom wahren Glauben in Jrrsal gerieten um der Schätze willen, die man ihnen gab, zogen sich vielfache Leiden zu, wie jener elende Bischof, Revocatus mit Namen, der von der rechtgläubigen Lehre abfiel. Damals verfinsterte sich auch die Sonne, so daß kaum der dritte Teil von ihr sichtbar blieb: solches geschah, glaube ich, um so großer Sünden WUIEU und wegen des unschuldig vergossenen Blutes. Hunerich aber wurde zum Lohne für solche Schandtaten selbst von dem bösen Geist ergriffen, und er, der lange das Blut der Heiligen getrunken hatte, zerfleischte sich mit seinen eigenen Zähnen, und in dieser Qual endigte er sein unwürdiges Leben durch einen seiner Sünden würdigen Tod16. Auf ihn folgte Childerich, und als auch der S. 65 gestorben war, erhielt Gelesimer die Herrschaft. Er wurde aber von dem Reich17 besiegt und verlor Thron und Leben. So fiel die Herrschaft der Vandalen18
(um 484); angehängt ist ihr eine, nicht von Viktor stammende Passion sieben katholischer Märtyrer. Ob Gregor diese beiden Darstellungen vor Augen gehabt hat. Muß dahingestellt bleiben. — Die Verfolgung brachte 88 katholische Bischöfe zum DIE-füllfast ein Fünftel, sie Verlies also nicht ganz so ruhmvoll. als man nach» GVESVVS Das-·stellung annehmen möchtez vgl. A. Jülicher in der Realenzyklopädie für protestantts sche Theologie und Kirche XX, Bis.
Nicht richtig, er folgte 477 Geiserich nach dem von diesem erlassenen Gesetz über die Erbfolge, das nach maurischem Vorbild den jeweils ältesten Angehörigen der Königsfamilie zur Nachfolge berief. ↩
Wir besitzen iiber die von lisiregor geschilderte Verfolgung das Werk des asrii kanischen Bischofs Viktor von Vita Historie porsecutionis Atrioanae provlnciao ↩
Von Karthago. ↩
König Hunerich hatte auf den 1. Februar 484 ein ReligWUsSEfPkäch Dwischen den katholischen und nrianischen Bischöfen in Karthago TITANIA. VTCWV VVU Mk« II U, II. ↩
Many. b, 13. ↩
Es. Johann. us. 1o, nicht wörtlich angeführt. ↩
Philipp« 1, U. ↩
Matth. 10, 28. ↩
Bon Capsa, dem heutigen Gafsa im inneren Tunestew ↩
Von Pamarim ↩
Galater s, 7. ↩
Ware. s, M. ↩
Vgl. Joh. 10, 1ff. ↩
MADE· V— VIII! (I 15, 44) erzählt ähnliches von dem Verfahren gegen einen UUVEJEU kakhdllfchett Bekennen Wir besitzeii ein Verzeichnis der zu dem Religion-sgespkckch Mlch Kurthago vorgeladenen Bischöfe (ogl. oben S. 58, Anm. L) mit AuSAVEU übe! khk Vekhalten und ihre Bestrafung (M.G. Anat. unt. 111 l, 68 fs.): txlter .460 befindet sich ein einziger, der das Martyrium erlitten hat, sonst wurden e Widerspenstigen zu Verbannung oder Zwangsarbeit verurteilt ↩
Römer 8,18. ↩
Nach einer der Schrift des Victor von Vita später angefügten Notiz (III 21, 71) ereilte ihn dasselbe Strafgericht wie Herodes, vgl. oben S. 27 Anm 8 ↩
Rospublicaz mit diesem Namen bezeichnen abendländische Schriftsteller des 6. und, 7. Jahrhunderts das oströmische Reich, als den Nachfolger des römischen. ↩
Auf Hunerich folgt 484 Gunthamund, dann 496 Thrasamund, 523 Hilderich, 533, nach der Absetzung, nicht dem Tode des Hilderich, als letzter König Belimer ↩
