17. Von dessen Weibe und der Kirche des Stephanus
Die Gemahlin des Bischofs aber baute in der Vorstadt die Kirche des heiligen Stephanus. Und da sie diese mit bunten Farben ausmalen lassen wollte, nahm sie selbst ein Buch auf ihren Schoß, las eine ältere Darstellung seines Lebens und gab den Malern an, was sie auf den Wänden darstellen sollten Als sie aber eines Tages so in der Kirche saß und las, kam ein armer Mann zum Gebet und sah sie. Und da sie ein schwarzes Kleid an hatte, denn sie war schon hochbetagt, glaubte er, es sei ein armes Weib, zog ein Laib Brot hervor, legte es in ihren Schoß und ging davon. Sie aber verschmähte diese S. 91 Gabe des Armen nicht, der ja nicht wußte, wer sie war, nahm sie an, dankte und bewahrte sie. Und sie zog das Brot allen ihren köstlichen Speisen vor, und genoß beim Tischfegen davon an jeglichem Tage, bis es aufgezehrt war.
