38. Wie König Chlodevech Patricius wurde
Damals erhielt er vom Kaiser Anastasius ein Patent als Konsul1 und legte in der Kirche des heiligen Martinus den Purpurrock und Mantel an und schmückte sein Haupt mit einem Diadem. Dann bestieg er ein Pferd und streute unter das gegenwärtige Volk mit eigener Hand Gold und Silber auf dem ganzen Wege von der Pforte der Vorhalle2 bis zu der Stadtkirche mit der größten Freigebigkeit aus. Von diesem Tage an wurde er Konsul oder Augustus3 angeredet. Von Tours ging Chlodovech nach Paris und machte dies zum Sitz seiner Herr« schaft. Hier kehrte auch Theuderich zu ihm zurück.
Codeoillos do consolato arge-spitz, sagt Gregor mit Benutzung eines technischen Ausdrucks. Der Titel eines Konsuls wurde wie der eines Patricius damals von den Kaifern zu Konstantinopel bisweilen an befreundete germanische Fürsten durch Adelsbriefe verliehen, diese nahmen sie gern an, weil Auszeichnungen damit verbunden waren (Ehrenkleider, Anreden usw.), welche in den Augen der römischen Bewohner der Provinzen, ja der Germanen selbst ihr Ansehen erhöhten. ↩
Der Kirche des heiligen Martinus. ↩
Die Titulatur Augustus kommt nur dem Kaiser selbst zu. Von Chlodovech und seinen Nachfolgern ist sie nie geführt worden. Die Jnschriften merovingischer Münzen, auf die man sich früher dafür berief, sind oströmischem Vorbild nachgeahmt und weisen häufig auch die Namen oströmischer Kaiser auf, vgl. Soetbeer, Forschungen z. Deutschen Geschichte 1, 602 ff., Waitz, Verfassungsgeschichte (3· AUflJ II l. 187 f. Waitz (das. S. 47, Anm. l) war im Zweifel, ob Gregors Angaben (auch bezüglich des Konsultitels) überhaupt wörtlich zu nehmen seien; der Titel eines Prokonsuls, mit dem Chlodovech in der Lex salica bekleidet erscheint, erklärt sich fkefksch durch einen Schreiboder vielmehr Lesefehler (vgl. Mommsetn Gesammelte SCPUF ten VI, 426); aber zu Waitz’ sprachlichen Bedenken vgl. die von Bonnet 323 über den Gebrauch von tamquam und quasi angeführten Stellen Und VIII» 121 RSVUSIIUS illuc quasi du: a parte regjs Chilcloberthi dirogitun « ↩
