22. Vom Bischof Sidonius und seinem heiligen Wandel
Der heilige Sidonius war so beredt, daß er häufig aus dem Stegreif ohne irgend einen Anstoß mit der größten Klarheit über Alles, worüber er wollte, seine Ansicht entwickeln konnte. Als er eines Tages zu einem Feste in der Kirche des erwähnten Klosters eingeladen wurde und sich dahin begab, wurde ihm schändlicher Weise das Buch genommen, wonach er die Messe abzuhalten pflegte. Er aber faßte sich und verrichtetesdann aus dem Stegreif den ganzen Festdienst so, daß sich Alle verwunderten, und die dabei standen, meinten, ein Engel, nicht ein Mensch habe zu ihnen geredet. Hierüber habe ich mich ausführlicher ausgelassen in der Vorrede zu dem Buche, das ich über die VVU ihm gefchriebenen Messen abgefaßt habe1. Da er aber von aus- S. 95 gezeichneter Heiligkeit und, wie erwähnt, von sehr vornehmem Geschlecht war, trug er oft ohne Wissen seiner Frau Silbergerät von Hause fort und schenkte es den Armen. Wenn sie dies bemerkte, eiserte sie gegen ihn; dann brachte er wohl das kostbare Gerät zurück, aber den Wert desselben gab er doch den Armen.
Dies Wer! Gregors ist verloren. ↩
