36. Die Weisheit ist für die Werke, aber vor der Zeit erschaffen.
Du unglücklicher Irrlehrer: die Waffen, die der Kirche gegen die Synagoge verliehen wurden, verwendest du zum Einbruch in den Glauben kirchlicher Lehre, und die völlig gesicherte Erkenntnis heilwirkender Lehre verwertest du räuberisch wider das Heil der Gesamtheit. Auf diese Worte hin behauptest du ja Christi S. 308 Geschöpflichkeit und machst nicht vielmehr (umgekehrt) mit Hilfe dieser Worte der eigenständigen Weisheit die jüdische Behauptung zuschanden, die die vorzeitliche Göttlichkeit Christi und die in allen Taten und Worten Gottes tätige Wirksamkeit Gottes nicht gelten läßt! Sie (die Weisheit) habe ja gesagt, sie sei jetzt für den Beginn der Wege Gottes und für seine Werke von Zeitbeginn an erschaffen worden; man solle nicht glauben, sie habe vor Maria schon dauerndes Dasein gehabt; man solle aber ihre Erschaffung auch nicht auf die Erkennbarkeit der (ewigen) Geburt beziehen; denn für den Anfang der Wege und für seine Werke sei sie erschaffen.
Dieser Anfang der Wege ist doch gewiß der Ausgang der menschlichen Erkenntnis hinsichtlich der göttlichen Dinge. Damit aber niemand ihn dazu verwerte, die unendliche Geburt der Zeit unterzuordnen, hat sie es ausdrücklich bekannt, sie sei vor allem Zeitbeginn gegründet. Da es ein anderes ist, für den Anfang der Wege und für die Werke erschaffen zu werden, und ein anderes, vor aller Zeit gegründet zu werden, sollte die Gründung gegenüber der Erschaffung als zeitlich früher erkennbar gemacht werden. Eben dies, daß sie vor der Zeit für die Werke gegründet wurde, sollte das Geheimnis der Erschaffung aufweisen; denn die Gründung ist vor der Zeit, die Erschaffung aber, die am Anfang der Wege und für die Werke bestimmt ist, ist nach der Zeit.
