2. Kennzeichnung der Falschlehrer.
Um diese verkehrten Willenseinflüsse hat der Apostel sehr wohl gewußt. Deswegen sagt er in seinem Brief an Timotheus, unter vielen Vorschriften für die Bekundung des Glaubens und die Verkündigung des Wortes: „Eine Zeit wird sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihrem Begehren sich Lehrer zusammensuchen, die den Ohren schmeicheln, da sie von der Wahrheit ihr Hören abwenden, zu erdichtetem Gerede aber sich hinwenden werden.”1 Wenn sie sich nämlich vermöge falschgläubigen Bemühens außerhalb des Ertragen-könnens der gesunden Lehre befinden, dann werden sie sich für den Gegenstand ihres Begehrens Lehrer zusammensuchen, die nämlich solche Fündlein von Lehren zusammentragen, die auf ihr begehrliches Verlangen zugeschnitten sind. Sie wünschen nicht belehrt zu werden, S. 159 sondern versammeln ihre Lehrer nach Maßgabe ihres Begehrens, damit die Überzahl der ausgesuchten und zusammengeholten Lehrer den Lehren des begehrlichen Verlangens ein Genüge tue.
Und in was für einem Geist endlich dieser so große Wahn törichten Irrglaubens die gesunde Lehre nicht erträgt und eine verderbte ersehnt, ― wenn das einer nicht weiß, der möge es aus dem Schreiben des gleichen Apostels an den gleichen Timotheus erkennen: „Der Geist sagt aber ganz offensichtlich, daß in den jüngsten Zeiten einige vom Glauben abweichen werden, indem sie auf verführerische Geister achten, auf die Lehren von Dämonen, die in Verstellung lügnerisch reden.”2
Was für ein Fortschritt in der Lehre ist es denn doch, mehr zu suchen, was einem gefällt, als was gelehrt werden soll? Oder was für eine Ehrfurcht vor der Lehre ist es, nicht die pflichtgemäße Lehre zu ersehnen, sondern nach Eigenwünschen die Lehre zusammenzustellen? Aber dazu verleiten die Lockmittel der verführerischen Geister, sie bekräftigen die Falschreden ihrer geheuchelten Gläubigkeit. Denn der Einbuße an Glauben folgt lügnerische Verstellung, damit wenigstens in Worten die Frömmigkeit vorhanden sei, die das Gewissen verloren hat. Diese geheuchelte Gläubigkeit machen sie mit all dem Lügenaufwand ihrer Worte doch nur dadurch falschgläubig, daß sie durch die Erfindungen ihrer falschen Lehre die Heiligkeit des Glaubens verderben, sofern ihre Lehre mehr nach ihrem begehrlichen Wünschen als nach dem Glauben der Evangelien zusammengestellt ist.
In Begehrlichkeit nämlich werden ihre Ohren gereizt; wegen eines Genießens, das im Hören unbeherrscht ist, werden sie durch eine wunschgemäße, neuartige Lehre aufgestachelt; und vom Hinhören auf die Wahrheit völlig entfremdet, werfen sie sich willenlos ganz an erdichtetes Gerede weg. Durch ihren Wortreichtum wollen S. 160 sie den Anschein der Wahrheit erwecken, während sie das Wahre weder sprechen noch hören können.
