23. Die Leidens- und Schmerzempfänglichkeit Christi.
Als Mensch Jesus Christus ist also der eingeborene Gott im Fleisch und Wort wie Menschensohn, so zugleich auch Gottessohn. Ohne an seiner Gottheit Schaden zu nehmen, hat er nach der Ähnlichkeit unserer Menschlichkeit einen wahren Menschen angenommen. Wenn auch Schläge (ihn) treffen oder Wunden (in ihn) eindringen oder Knoten (ihn) schnüren oder Aufhängen (ihn) erhöhen würde, dann würde das zwar einen Ansturm des Leidens veranlassen, aber dennoch keinen Leidensschmerz verursachen. (So etwa ist es,) wie wenn irgendein Geschoß, das das Wasser durchdringt oder Feuer durchstochert oder die Luft verletzt, zwar alle diese Zustandsänderungen beibringt, die von seinem Wesen herkommen, so daß es durchdringt, daß es durchstochert, daß es verwundet. Aber die erlittene Zustandsänderung dieser Dinge behält dabei ihr Wesen nicht unverändert bei, da es zum Wesen nicht gehört, beim Wasser das Durchdrungenwerden, beim Feuer das S. 178 Durchstochertwerden, bei der Luft das Verletztwerden, obwohl es zum Wesen des Geschosses gehört, zu verletzen und zu durchstochern und zu durchbohren.
Zwar hat der Herr Jesus Christus gelitten, als er geschlagen, als er aufgehängt, als er gekreuzigt wurde, als er starb. Es war aber nicht so, daß das auf den Leib des Herrn einbrechende Leiden kein Leiden gewesen sei, noch auch (aber), daß es das Wesen des Leidens fühlbar gemacht habe. Denn einerseits hat es wegen der Strafverpflichtung gewütet, anderseits hat die Kraft des Körpers ohne Empfinden für die Strafe die Gewalt der gegen ihn wütenden Strafe hingenommen. Gewiß soll jener Leib des Herrn das Wesen unseres Schmerzes gehabt haben, wenn unser Körper wesensmäßig dies besitzt, die Wogen zu betreten und über die Fluten zu wandeln und durch die Schwere beim Betreten nicht herabzusinken, ohne daß auch die Wasser den auftretenden Schritten nachgeben, auch das Feste zu durchdringen und auch durch die Versperrung eines verschlossenen Hauses nicht behindert zu werden. Wenn demgegenüber aber dem Leib des Herrn allein dies wesensmäßig zukommt, mit seiner Kraft, mit seiner Seele vom Flüssigen getragen zu werden, auf das Wasser hinauszutreten und Bauten zu durchdringen: mit welchem Recht beurteilen wir dann den aus dem Heiligen Geist empfangenen Leib nach der Eigenart eines menschlichen Körpers? Jener Leib, d. h. jenes Brot, entstammt dem Himmel, und jener Mensch entstammt Gott. Er hat zwar einen Leib mit der Bestimmung zum Leiden, und er hat gelitten; er besitzt aber kein Wesen, das dem Schmerz zugänglich wäre. Ein ganz ihm nur eigentümliches Wesen besitzt sein Leib, der auf dem Berge himmlischer Herrlichkeit (der Herrlichkeit Gottes) gleichgestaltet wurde,1 der durch Angefaßtwerden die Fieber fliehen macht,2 der durch seinen Speichel das Augenlicht wiederherstellt.3
